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Schlagwort: Familienprobleme

Driving home for Christmas

Um ein peinliches Geheimnis zu bewahren, überredet Studentin Kate ihren Pannenhelfer, sich an Weihnachten als ihr Freund auszugeben und nimmt ihn mit in die beschauliche Kleinstadt Dawsonville in Vermont. Sie ahnt nicht, dass er ein berühmter Rockstar auf der Suche nach seinen Wurzeln ist. Als er die ausgerechnet in Kates Heimatstadt zu finden glaubt, nimmt das Chaos seinen Lauf. 

Lest hier exklusiv und als Teil des großartigen Autoren-Adventskalenders den Beginn meines vierten, noch unvollendeten Romans. Frohe Weihnachten!

Dicke Schneeflocken segelten auf die Windschutzscheibe des Buicks, den ihr Vater ihr zum Beginn ihres Studiums geschenkt hatte, stolz darauf, dass sie sich nun doch für Yale entschieden hatte, anstatt nach Paris zu gehen. „Damit du immer nach Hause kannst, wenn dir danach ist.“ 

Das war typisch für ihren Vater und den Helden ihrer Kindheit. Alles würde er tun für seine „Prinzessin“, wie er sie nannte, für das Nesthäkchen der Familie. Wie gut, dass er nicht ahnte, dass Kate triftige Gründe hatte, ihre kleine Heimatstadt in den Hügeln von Vermont zu meiden und eigentlich in nächster Zeit nicht geplant hatte, zurückzukommen. Geheimnisse wahrten sich nämlich schlecht in dem 900-Seelen-Nest Dawsonhills, wo jeder jeden kannte.

Verdammt, was war denn das Dunkle da mitten auf der Straße? Es sah aus wie ein Rentier. Instinktiv stieg sie in die Eisen, auch wenn ihr Fahrlehrer ihr eingebläut hatte, dass das bei Eis und Schnee ein tödlicher Fehler sein konnte. Augenblicklich brach der Wagen nach links aus und kam ins Trudeln. Verzweifelt versuchte sie gegenzulenken. Doch der Boden unter der Schneedecke war spiegelglatt.

„Scheiße!“, fluchte sie. 

In Gedanken sah sie die Bäume auf sich zurasen, sah die heftige Kollision, ihr eigenes Ende. Wenigstens einmal in diesem Leben hätte sie sich richtig verlieben sollen, dachte sie betrübt. Unweigerlich schoss der Wagen auf die mächtigen Kiefern zu, die den Weg säumten. Sie hatte keine Chance. Ein dicker Stamm befand sich direkt in ihrer Richtung. Sie schrie, schloss die Augen, betete. 

Es gab einen starken Ruck. Der Druck auf ihren Rippen ließ sie nach Luft schnappen. Sie öffnetet die Augen wieder und stellte fest, dass sie kopfüber über dem Lenkrad hing. Wie ein Pfeil hatte die Motorhaube sich in den tiefen Schnee gebohrt, höchsten einen halben Meter von dem Baum entfernt, auf den sie zugesteuert war. Sie bewegte Beine, Arme, Kopf. Kein Blut, alles intakt. Vor Erleichterung schossen ihr die Tränen in die Augen. Sie realisierte, was ihr gar nicht so bewusst gewesen war: Sie lebte und sie lebte verdammt gern. Langsam beruhigte sich ihr pochender Herzschlag wieder. 

Dennoch war die Lage, in der sie sich nun befand, alles andere als komfortabel. Sie steckte fest. Schneemassen kesselten sie ein. Die beiden vorderen Türen waren nicht zu öffnen. Mühsam kletterte sie auf die Rückbank. Das Auto neigte nach zurück und sackte tiefer in den Schnee. Nun waren auch die hinteren Türen blockiert. Mit zitternden Fingern zog sie ihr Handy aus der Tasche, wählte die Nummer der Pannenhilfe und erklärte ihre Situation.

„Hier ist grad die Hölle los. Wenn sie nicht in einer lebensbedrohlichen Lage stecken, werden Sie sich gedulden müssen“, erwiderte die Frau am anderen Ende der Leitung. „Im Notfall müssen Sie sich an die Marshalls wenden.“

Sie überlegte, ob sie ihre Eltern bitten sollte, sie abzuholen. Doch nein. Ihre Mutter war mitten in hektischen Weihnachtsvorbereitungen und war ohnehin nicht allzu gut auf ihre Tochter zu sprechen. Außerdem hatte Kate Tee in ihrer Thermoskanne und eine Decke auf der Rückbank. Momentan war es warm genug. Kritisch würde es erst werden, wenn zum Abend die Temperaturen sanken. Bis dahin aber sollte sich der Abschleppwagen bis zu ihr durchgekämpft haben. 

Also beschloss sie, sich in Geduld zu üben. Sie machte sie es sich bequem und nahm ihre Unisachen heraus. Sie konnte die Zeit ebenso gut nutzen, um mit ihrem Essay voranzukommen. Während ihres Heimatbesuches würden die Sachen oft genug liegen bleiben.

Auch deshalb war sie eigentlich fest entschlossen gewesen, den Überredungskünsten ihrer Mutter zu trotzen und dieses Jahr auf Weihnachten im trauten Kreis der Familie zu verzichten. Abgesehen davon, dass es eine gewisse Person gab, der sie auf gar keinen Fall begegnen wollte, war ihr Studium gerade in einer heißen Phase. Über die Feiertage sollten die Studenten aus Professor Barnswicks Literaturklasse einen Essay über das romantische Werk von Lord Byron verfassen. Der beste davon hatte die Chance in der führenden amerikanischen Literaturzeitschrift abgedruckt zu werden. Das war Ehre und Zukunftschance für alle gleichermaßen. Die strebsamen unter ihren Kommilitonen hatten ihre Familie bereits informiert, dass sie über Weihnachten nur bedingt ansprechbar sein würden. 

Daher hatte Kate geplant, über die Feiertage im Studentenwohnheim zu bleiben, auch wenn es ihr schwergefallen wäre, auf die schönste Zeit des Jahres in ihrer Heimatstadt zu verzichten. Um Weihnachten herum spielte die beschauliche Kleinstadt Jahr für Jahr verrückt. Die Bewohner überboten sich mit Weihnachtsschmuck, Wettbacken und Aufführungen. Außerdem war der Lichtergottesdienst um Mitternacht die wohl stimmungsvollste Art, den ersten Weihnachtstag einzuläuten. Dennoch war es für alle das Beste, wenn sie in diesem Jahr dem ganzen Trubel fernbliebe. Das hatte sie sich immerhin eingeredet. Doch dann hatte ihre Mutter volle Geschütze aufgefahren. 

„Granny geht es nicht gut. Vermutlich wird es ihr letztes Weihnachtsfest sein. Willst du das verpassen?“, hatte sie gefragt. Und nein, das letzte Fest mit ihrer geliebten Granny wollte Kate in der Tat nicht verpassen. Das würde sie sich auf keinen Fall verzeihen. 

Doch wenn sie daran dachte, wem sie spätestens beim Weihnachtsgottesdienst unweigerlich über den Weg laufen würde, krampfte sich ihr Magen in einem unguten Gefühl zusammen. Vor allem Granny durfte niemals erfahren, was ihre Kate getan hatte. Die war noch von der alten Schule und mit ganz anderen Moralvorstellungen aufgewachsen. Sie würde vermutlich sofort die Augen zum Himmel verdrehen und die Atmung einstellen, nicht bevor sie die Seele ihrer Enkelin auf ewig verflucht hatte.

Drake. Gutaussehend, weltgewandt und unglaublich klug. Als würde ein unsichtbares Band sie immer wieder zusammenführen, waren sie sich im vergangenen Frühjahr ständig über den Weg gelaufen. Nun, wo sie ihn besser kannte, war sie sich allerdings sicher, dass er es bewusst darauf angelegt hatte, dass sie sich trafen. Doch damals war sie wie verzaubert gewesen.

Als ihr aufging, dass er sie plötzlich wie eine Frau betrachtete, dass sein intensiver Blick alles andere als bloß freundschaftlich war, hatte sie nächtelang wach gelegen und davon geträumt, wie es wäre, ihn zu küssen. Seine Hände auf ihrem Körper zu spüren. Das erste Mal in Leben hatte sie sich nach dem verzehrt, was Milly Mansfield bereits im zarten Alter von dreizehn auf dem Rücksitz von Kenneth Schilling, dem Quarterback der Schulmannschaft, erlebt hatte.

Auch sie hatte begonnen, die Begegnungen zu provozieren und das Verbotene herbeizusehnen. Bis er sie schließlich in seiner kleinen Hütte oben in den Bergen nach allen Regeln der Kunst verführt hatte. Eine leichte Hitze stieg in ihr auf, als sie daran dachte, wie seine kundigen Hände sie zur Frau gemacht hatten. Viel zu lange war es her, dass sie einem Mann so nah gewesen war. 

Dabei war sie im Grunde ihres Herzens froh über den räumlichen Abstand zwischen ihnen, den ihr Studienbeginn mit sich gebracht hatte. Die Verzauberung hatte sich ein Stück weit gelegt. In letzter Zeit war sie ihm sogar ausgewichen, wenn er versucht hatte, sie in Yale zu besuchen. Hatte kaum noch auf seine Geschenke reagiert und Stress im Studium vorgeschoben.

 Wenn sie ihm jetzt begegnete, wäre sie gezwungen Farbe zu bekennen und ihm zu sagen, dass sie ihn nicht mehr treffen wollte. Sie hoffte zumindest, dass sie das schaffen würde, denn er konnte überaus überzeugend sein, wenn er etwas wollte, und ihr verräterischer Körper war in der Lage, ihren Verstand auszuhebeln. 

Nicht auszudenken, was geschehen könnte, wenn die Affäre herauskäme. Gerade jetzt, zu Weihnachten. Sie fürchtete, dass er sich über die Gefahr, entlarvt zu werden, hinwegsetzen würde. Er war ein Mann, der bekam, was er wollte, und sie nahm an, dass das immer noch sie war. 

Das Beste wäre, wenn sie einen festen Freund dabei hätte. Sie würde den ganzen Abend verliebt an seinem Arm hängen und niemand könnte auf die Idee kommen, dass es eine Verbindung zwischen ihr und Drake gab. Sie hatte nämlich einen schwerwiegenden Fehler gemacht und ihrer Schwester anvertraut, dass sie einen älteren Freund hatte. Nicht auszudenken, wenn diese zwei und zwei zusammenzählte.

Bevor sie sich komplett im Trübsal verlor, verbannte sie jeden Gedanken an Drake und konzentrierte sich auf ihre Arbeit. Das war schon immer ihre Strategie gewesen, um mit unwillkommenen Gefühlen klarzukommen. 

Zu ihrer Freude flossen ihr die Worte nur so aus den Fingern. Eine Wartezeit, in der man ablenkungsfrei an etwas arbeiten konnte, war eben manchmal auch ein Geschenk. Sie vergaß die Welt um sich herum und fokussierte sich auf die leidenschaftlichen Worte des Dichters. 

Sie wusste nicht, wie lange sie schon mit dem Notizbuch auf den Knien dasaß, als es plötzlich an der Scheibe klopfte. Beinahe erschrak sie zu Tode, denn sie hatte nicht einmal gehört, dass sich ein Auto genähert hatte. Hellblaue Augen unter einer grauen Wollmütze blickten sie fragend an. Sie kurbelte die Scheibe runter. 

Der Mann beugte sich vor und scannte die Lage. „Alles in Ordnung mit Ihnen?“

„Ja, vielen Dank! Jetzt habe ich mich nur ein bisschen erschreckt!“

Ganz geheuer war ihr der Mann nicht. Mit dem Piercing und der Tätowierung, die sich bis zu seinem rechten Ohr hochzog, hätte er auch zu einer Rockergang gehören können.

„Das tut mir leid.“ Er deutete auf ihr Notizbuch. „Ist das Ihre übliche Arbeitsumgebung?“

Sie lachte zaghaft. „Nicht unbedingt. Aber die Pannenhilfe hat angekündigt, dass es dauern wird.“

„Bei dem Wetter? Da hätten Sie ja erfrieren können“, meinte er stirnrunzelnd.

„Sie sagten, dass ich im Notfall den Marshall rufen soll.“

Er betrachtete den Wagen und schien zu der Erkenntnis zu kommen, dass da nichts zu machen war. „Hat ordentlich geschneit. Soll ich Sie mit in die nächste Stadt nehmen? Da können Sie dann im Warmen auf den Abschleppwagen warten.“

Sie sah zu seinem Auto hinüber. Ein kostspieliger SUV stand da. Immerhin kein Motorrad. Doch konnte sie unbesorgt einsteigen? Ihr Vater hatte ihr immer eingebläut, niemals per Anhalter zu fahren und immer ein Taxi zu nehmen. Schließlich siegte ihre persönliche Bequemlichkeit. Mittlerweile fror sie erbärmlich. „Das wäre toll“, sagte sie.

Er grinste spöttisch. Offenbar hatte er gemerkt, wie sie ihn gemustert hatte. „Da bin ich aber froh, dass Sie mich doch für vertrauenswürdig genug halten!“

Galant hielt er ihr die Hand hin und half ihr, durch die Scheibe hinauszuklettern. Augenblicklich versank sie beinahe bis zu den Knien in einer Schneewehe. Er lachte. Verwundert schaute sie zu um auf. Hoch ragte er über ihr auf. Sie selbst war keine Riesin, aber er wirkte nun, als wäre er mindesten zwei Meter zwanzig. Er streckte ihr beide Hände hin und zog sie zu sich hinüber. Obwohl er keine Handschuhe trug, waren seine Finger warm und fühlten sich erstaunlich kräftig an. Als sie direkt neben ihm stand, hatte sich der Größenunterschied relativiert.

„Ich habe nicht gemerkt, dass es hier einen Graben gab“, sagte sie mit einem verlegenen Lachen. 

„Der hat Sie wahrscheinlich vor größerem Schaden gerettet.“ Er deutete auf die Kiefer.

„Oh ja!“ Ihr schauderte schon bei dem Gedanken daran. Durch den vielen Schnee hatte sie gar nicht sehen können, dass sich ihr Auto mit der Nase nach vorn in ein ausgetrocknetes Flussbett abgesenkt hatte. „Ich bin Kate!“ Sie streckte ihm die Hand hin.

 Er ergriff sie. „Jordan.“. 

Ihr entging nicht das leichte Zögern vorher und sie fragte sich misstrauisch, ob er ihr seinen wahren Namen genannt hatte. Doch was für einen Grund konnte er schon haben, sie anzulügen.

Mittlerweile hatte der Schneefall sich gelegt. Ein einzelner zarter Sonnenstrahl streckte die Nase durch die Wolke, brachte die weiße Pracht zum Glitzern und verwandelte die Hügel von Vermont in eine verwunschene Schneelandschaft. Warm und gemütlich war es im Auto ihres Pannenhelfers. Sie lehnte sich in dem bequemen Autositz zurück und dachte daran, mit wie wenig man im Leben manchmal schon zufrieden sein konnte. Sich aufzuwärmen, wenn man durchgefroren war, gehörte definitiv dazu. Außerdem vielleicht ein warmer Kakao, wie ihn die Mutter des Nachbarsjungen immer gemacht hatte. Flynn und sie waren zu der Zeit unzertrennlich gewesen. Sie hatten sich sogar geschworen, zu heiraten, wenn sie groß waren. 

Nun war er wieder da, der Knoten in ihrem Magen. Jetzt hatte sie doch tatsächlich ein paar selige Minuten nicht an ihren Jugendfreund, an seine Familie und ihre eigenen überbordenden Schuldgefühle gedacht. Wenn man bedachte, dass sie damals bei ihnen ein und ausgegangen war, dass die Benjamins so etwas wie ihre zweite Familie gewesen waren, wog das, was sie getan hatte, doppelt so schwer. Sie bemerkte, wie ihr Fahrer sie von der Seite musterte.

„Jetzt würde ich gern deine Gedanken lesen“, sagte er. „Erst hast du selig gelächelt und dann hat sich so ein sorgenvoller Ausdruck in dein Gesicht gefressen, dass ich hoffe, nicht der Auslöser dessen zu sein. Du musst keine Angst haben. Ich bin kein Frauenmörder, der in den Hügel hier Ausschau nach Verkehrsopfern ist, um ihnen in einer einsamen Berghütte bestialisch den Garaus zu machen.“ Er entblößte zwei Reihen strahlend weißer Zähne. Kate zwang sich, ebenfalls zu lächeln.

„Es hat nichts mit dir zu tun. Es ist … meine Familie kann ein bisschen kompliziert sein.“

„Verstehe.“ Er dachte kurz nach, entschied sich dann offenbar, dem nichts weiter hinzuzufügen. „Wo musst du denn hin? Eventuell kann ich dich ja noch etwas weiter mitnehmen.“

„Das wäre toll. Ich will mir gar nicht ausmalen, was für eine Standpauke mir meine Mutter wegen der Verspätung halten wird. Sie ist Lehrerin und ein absoluter Pünktlichkeitsfanatiker. Ich muss nach Dawsonhills. Kennst du das vielleicht?“

Ein unergründlicher Gesichtsausdruck huschte über sein Gesicht. „Das ist ja ein merkwürdiger Zufall. Tatsächlich muss ich auch in die Richtung“, entgegnete er.

Neugierig sah sie ihn an. Ihre Heimatstadt war so klein, und er schien in einem ähnlichen Alter zu sein, wie sie. Wenn er ebenfalls dort aufgewachsen wäre, müsste sie ihn eigentlich kennen. Vielleicht war er zum Skifahren verabredet? Sie war sich jedenfalls sicher, ihn dort noch nie gesehen zu haben. Auch wenn er sein Gesicht mit den hellen Augen und dem energischen Kinn beim näheren Betrachten irgendwie bekannt vorkam. „Wieso willst du denn nach Dawsonhills?“, erkundigte sie sich. 

Er presste die Lippen aufeinander und seine Miene verschloss sich. „Ich habe gehört, dass es ein netter Fleckchen Erde sein soll.“ 

Wollte er damit sagen, dass er ganz allein die Weihnachtstage dort verbringen wollte?

„Wo wirst du denn wohnen?“, fragte sie. 

„Gar nicht neugierig, oder was?“; entgegnete er unwirsch. 

„Entschuldige, dass ich frage!“, erwiderte sie spitz. Im Grunde genommen war ihr dieser Typ mit dem protzigen SUV, der auch einem Zuhälter oder Drogenboss hätte gehören können, herzlich egal. Hauptsache, sie kam heute noch zuhause an. 

Beide fuhren schweigend weiter. Jordan drehte das Radio lauter, in dem einer dieser kitschigen Weihnachtssongs zu hören war. 

„Ich brauchte ein wenig Abstand von allem und habe einen Ort gesucht, an dem ich mich fernab von meinem alltäglichen Stress über die Weihnachtstage ausruhen kann“, sagte er schließlich ein wenig freundlicher. 

Kate nickte. Städter kamen häufiger mal in die Hügel von Vermont, um Ruhe und Frieden vor der Hektik des Alltags zu finden. Deshalb waren die wenigen Pensionen in ihrem Ort über die Weihnachtstage immer voll ausgebucht. Dafür durften die Einheimischen über die merkwürdigen Attitüden der New Yorker staunen, die hier im Winterwunderland die Zeit zwischen den Jahren verbrachten. 

„Ich nehme an, dann wirst du bei Mrs. Gibbs einkehren?“

 Er warf einen Blick zu ihr hinüber. „Mrs. Gibbs?“, fragte er verwundert.

„Ja, sie hat die beste Pension in der Stadt. Oder hast du eine der Hütten in den Hügeln oben gemietet?“ 

Er lachte auf. „Nein. Ich wollte mich erst einmal umsehen und dann entscheiden, ob ich bleiben oder meinen Roadtrip fortsetzen möchte.“ 

Kate sah ihn großen Augen an. „Das ist nicht dein Ernst!“, bemerkte sie. 

„Wieso?“

„Nun ja, die wenigen Pensionen in der Stadt sind über die Weihnachtstage auf Jahre hinaus ausgebucht. Ich glaube nicht, dass du spontan eine Unterkunft finden wirst.“

Er pfiff leise durch die Zähne. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Gegend hier derart beliebt ist.“ 

„Dann weißt du wohl noch nicht, wie das perfekte Weihnachten hier in Vermont aussieht“, ereiferte sie sich. „Überall gibt es Pferdeschlitten. In den Straßen wetteifern die Häuser darum, wer die aufwändigste und schönste Dekoration aufgefahren hat. Weihnachtsmärkte und Basare locken mit ihren Leckereien. Wer einmal Weihnachten hier verbracht hat, der möchte nie wieder irgendwo anders feiern.“

„Du klingst wie eine lebendige Werbebroschüre“, grinste er. „Dann gibt es also nichts, was dich davon abhalten könnte, dein Weihnachtsfest hier zu verbringen. Außer einem kleinen Schneeunfall natürlich.“

Da hatte er recht. Unter normalen Umständen hätte sie wirklich nichts davon abhalten können.

„Du wirst lachen“, entgegnete sie ehrlich, „genau in diesem Jahr hatte ich tatsächlich etwas anderes vor. Es hätte mein erstes Weihnachten in Yale sein sollen. Und ich war schon traurig, dass mir auf diese Art und Weise die Weihnachtsstimmung entgehen würde.“

Interessiert blickte er sie an. „Und was hat deine Meinung geändert?“

„Das ist eine lange Geschichte“, antwortete Kate ausweichend. „Wo kommst du denn eigentlich her?“, erkundigte sie sich, um das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. 

Er winkte ab. „Süße, ich bin gar nicht so heiß auf Small Talk. Wenn du darüber nicht reden möchtest, ist das kein Problem.“

Er drehte die Musik wieder lauter und richtetet den Blick konzentriert auf die Straße. Ihre Unterhaltung sah er offenbar als beendet an. Kate konnte es kaum fassen, dass er derart unhöflich war. Demonstrativ zog sie ihre Unterlagen heraus und begann, sich Notizen zu machen.

Plötzlich gab ihr Handy einen aufdringlichen Ton von sich, mit dem es freudig ankündigte, dass eine Nachricht eingetroffen war. Kate schaute auf das Display und erbleichte. 

„Habe zufällig erfahren, dass du Weihnachten doch kommst. Vermutlich wolltest du mich überraschen. Eigentlich solltest du aber doch wissen, dass ich nicht auf Überraschungen stehe. Freue mich trotzdem, dich zu sehen. Ich bin mir sicher, dass wir einen Weg finden werden. D.“ 

Verdammt. Wer hatte ihm erzählt, dass sie doch über Weihnachten käme? Sie hatte ihm bereits vor zwei Wochen geschrieben, dass sie in Yale bliebe und dass es ihr nicht ausmachte, die Feiertage dort zu verbringen. Das konnten nur ihre Eltern gewesen sein. Hoffentlich hatten sie ihn nicht zu ihrer Weihnachtsparty eingeladen. Sie merkte, wie ihr der Schweiß ausbrach, bei dem Gedanken daran, wie sie ihm unter den Augen ihrer gesamten Familie begegnen würde. Ein wahrer Albtraum.

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Ausgerechnet Heiligabend

Hier gibt es einen exklusiven, unveröffentlichten Ausschnitt aus meinem neuen Roman „Puccini zum Frühstück“.

Diese Erzählung ist Teil des Autoren-Adventskalenders, wo ihr jeden Tag eine neue, wunderbare Geschichte entdecken könnt.

Falls sie Euch gefallen hat und ihr mehr von mir lesen wollt, habt ihr zwei Möglichkeiten. Ihr lest zunächst einmal meinen ersten Roman „Wer den Frosch küsst“, oder ihr meldet euch auf meinen Newsletter an, dann erfahrt ihr als erstes, wann „Puccini zum Frühstück“ veröffentlicht wird.

Mit gemischten Gefühlen bestieg Charlie an Heiligabend die Regionalbahn in Richtung Hamburg und stellte sich darauf ein, in das prunkvolle Nest ihrer Familie zurückzukehren. Der Waggon war zum Bersten gefüllte. Sie hatte Schwierigkeiten, mit ihrem kleinen Koffer überhaupt einen Stehplatz zu bekommen.

Die mollige Frau, neben die sie sich quetschte, rollte mit den Augen und meinte: »Da hat bei der Bahn mal wieder keiner geahnt, dass kurz vor Weihnachten eventuell mehr Fahrgäste unterwegs sind.«

Charlie lachte. »Genau, das muss ungefähr dasselbe sein wie bei großer Hitze – wer braucht schon Klimaanlagen, wenn es total heiß ist!« Ihr Mantel war vorhin so nass geworden, dass sich zu ihren Füßen kleine Pfützen bildeten. Sowieso roch hier drinnen generell alles nach feuchter Kleidung und einem Döner Kebab, den ein Anzugträger zwei Sitzreihen rechts von ihr genüsslich verspeiste.

Als ein korpulenter Mann neben ihr den Arm hob, um sich am Haltegriff oben festzuhalten, stieg ihr ein übler Geruch nach altem Schweiß in die Nase. Rasch wandte sie den Kopf zur Seite. Am Bahnhof in Hamburg-Altona duftete es dafür verlockend nach Glühwein und Schmalzgebäck. Doch sie widerstand der Versuchung und wollte gerade zu dem Bus gehen, der sie die Elbchaussee hinunter zum Haus ihrer Familie bringen würde, als sie hinter sich jemanden rufen hörte.

»Na, wenn das nicht unsere Charlotte Sanders ist! Hallo!«

Überrascht drehte sie sich um und stand einem breitschultrigen Mann mit wettergegerbtem Gesicht und grauen Schläfen gegenüber, der sie um mehr als einen Kopf überragte. Er trug einen dunklen Anzug, den seine Schultern beinahe zu sprengen schienen, und eine Schirmmütze.

»Fred, was machen Sie denn hier?«

Fred war der Fahrer der Sanders und bei ihnen, seit Charlie sich erinnern konnte. Elli, die Haushälterin und Köchin, war seine Frau. Bei seinem Lächeln wurde ihr warm ums Herz. In der Tat hatten ihre positivsten Kindheitserinnerungen mit diesen beiden Menschen zu tun. Sie hatten dem einsamen Kind, das sie gewesen war, Mitleid und Sympathie entgegengebracht. Denn sie hatte es zu ihrem Leidwesen nie geschafft, den hohen Ansprüchen ihrer Familie zu genügen. Früher hatte sie oft darum gebetet, dass diese beiden ihre Eltern wären.

»Ich warte hier seit eineinhalb Stunden. Ihre Mutter war sich sicher, dass Sie spätestens diesen Zug bekommen würden.« Ein schelmisches Grinsen erschien in seinem Gesicht und Charlie freute sich plötzlich doch ein wenig, dass sie in Hamburg war.

Fred hievte ihren Koffer in den Kofferraum, stieg dann in die schwarze Limousine und sie fuhren los. Plötzlich war alles so wie früher. Charlie fühlte sich, als wäre sie nie weg gewesen. Als hätte sie nie die Flügel ausgebreitet, um dem Einfluss ihrer Mutter zu entgehen.

»Wie geht es Elli?«

»Na ja, natürlich hält deine Mutter sie eifrig auf Trab, besonders wegen der Feiertage, aber das ist ja nichts Neues.« Sie sah ihn im Rückspiegel lächeln. Nun, da nur sie beide im Auto waren, wechselte er auf das vertraulichere »Du«.

Auch das hatte er schon immer so gehalten.

»Aber wie geht es denn unserer Charlie? Wir haben ewig nichts von dir gehört.« Sie bekam ein schlechtes Gewissen, weil sie, seit sie in Marienburg lebte, so viel Abstand wie möglich zwischen sich und allem, was nach Hamburg gehörte, hatte bringen wollen. Das schloss leider auch die Menschen ein, die eine Funkstille nicht verdienten.

»Entschuldige«, sagte sie kleinlaut, »ich hätte wirklich mal anrufen können.«

»Schon gut. Wir sind glücklich, wenn es dir gut geht.« Nach einer winzigen Pause fügte er hinzu: »Es geht dir doch gut, oder?«

Charlie wurde warm ums Herz, als sie die Besorgnis in seiner Stimme vernahm. »Ja. Es ist toll für mich, mein eigenes Leben zu führen.«

»Das wird Elli freuen.«

Charlie lächelte. Elli war die herzlichste Person, die sie kannte, und vermutlich der einzige Grund, warum Charlie in ihrer ichbezogenen Familie nicht untergegangen war. Diese Frau, die sicherlich auch selbst eine wunderbare Mutter gewesen wäre, war ihr Ruhepol, diejenige, zu der Charlie sich als Kind geflüchtet hatte, wenn sie Trost brauchte.

Auf den Straßen herrschte bereits Weihnachtsstimmung. Sie waren wie leergefegt. Ungewöhnlich kurz dauerte die Strecke vom Bahnhof Altona die Elbchaussee hinunter. Fred bog in die hellerleuchtete Einfahrt hinein, an deren Ende sich majestätisch und leuchtend weiß die Familienvilla der Sanders erhob. Eigentlich war sie mit den zwei Flügeln sogar mehr ein Palast und eines der größten Häuser, die man im noblen Othmarschen finden konnte. Der Ort von Charlies Kindheit.Er hielt ihr die Tür auf, doch sie zögerte. Plötzlich legte sich Beklommenheit wie ein schwerer Stein auf ihre Seele. War es ein Fehler zurückzukommen? Ein Teil von ihr sehnte sich danach, kurzerhand die Fäden zu durchtrennen, die sie an ihre Familie band und sofort wieder nach Marienburg zu fahren. Mit Füßen wie aus Blei stieg sie schließlich aus und musste sich zwingen, in das Haupthaus zu gehen, anstatt durch den Dienstboteneingang in die sicheren Gefilde der Küche zu fliehen.

»Da bist du ja«, stellte ihre Mutter fest, nachdem Charlie das Wohnzimmer betreten hatte, in dem ein gigantischer Weihnachtsbaum posierte. Jedes Jahr wurde er nach der allerneuesten Mode geschmückt. Diesmal war er regenbogenfarben geworden und die Ahnen auf den Wandgemälden schienen Charlie noch finsterer anzugucken als sonst.

Ihre Mutter legte gemächlich die Modezeitschrift auf den Teakholztisch, erhob sich und gab ihr die obligatorischen zwei Küsse. Das und ein Streichen über den Kopf, wenn Gäste da waren, waren so ziemlich alle Zärtlichkeiten, die Charlie mit ihrer Mutter je geteilt hatte. Dann schob sie ihre Tochter mit beiden Armen von sich und musterte sie prüfend. Irina, das russische Starmodell, hatte in ihrem zweiten Jahr im Westen zielstrebig ihre persönliche Zukunft abgesichert und den zwanzig Jahre älteren Spross einer ursprünglich aus Holland stammenden Kaufmannsdynastie geheiratet. Natürlich erwartete sie von ihrer Tochter, dass sie genauso diszipliniert und schön sein würde wie sie selbst. Festzustellen, dass diese ihr nur ganz wenig ähnelte, war eine derartige Enttäuschung für sie gewesen, dass sie ihre Zuneigung lieber auf den älteren Sohn konzentrierte. Es schien ihr nicht lohnend, sich um die unscheinbare und auch noch pummelige Tochter zu kümmern, die ihr niemals das Wasser reichen würde.

Vermutlich war der schlimmste Schlag für Irina Sanders gewesen, dass sie, der man vier Wochen nach der Geburt ihrer Kinder die Schwangerschaft nicht mehr ansehen konnte, eine Tochter hatte, die ihre Probleme mit Sahnetorten erstickte. Die wenigen Momente, in denen die kleine Charlie sich der Aufmerksamkeit ihrer Mutter sicher sein konnte, waren die, wenn sie mal wieder dicker geworden war. Dann hatte Irina ihr eine Rede über Disziplin gehalten, damals noch mit stark russischem Akzent. Das war noch so eine Sache. Obwohl Charlie fließend Russisch sprach, unterhielten sich Mutter und Tochter niemals in dieser Sprache. Vielleicht war das für Irina Sanders einfach zu viel der Intimität.

»Sieht so aus, als hättest du wenigstens etwas abgenommen«, bemerkte Irina Sanders nun. »Dann scheint das Arbeiten ja doch zu etwas gut zu sein.«

Ihre Mutter wandte sich wieder der Zeitschrift zu und die Audienz war beendet. Charlie kannte es nicht anders. Sie hätte sich schlichtweg gewundert, wenn Irina plötzlich Interesse an ihrem Beruf oder ihren Erfahrungen in Marienburg gehabt hätte. Mittlerweile konnte das Desinteresse ihrer Mutter sie nicht mehr verletzen. Aber sie wusste noch genau, wie sie als Kind vergeblich um die Aufmerksamkeit dieser perfekten Frau gebuhlt hatte, die Charlie in ihrem ganzen Leben noch nie ungeschminkt gesehen hatte. Der Frau, die einer Freundin einmal gestanden hatte – in Charlies Beisein wohlgemerkt –, dass sie das Tamtam, das andere Leute um ihre Kinder machten, nicht nachvollziehen konnte. Vermutlich war sie erleichtert gewesen, nach zwei gesunden Kindern ihre Pflichten als Ehefrau erfüllt zu haben und sich wieder ihrem luxuriösen Lebensstil widmen zu können. An den meisten Tagen hatte Charlie ihre Mutter nur abends, bevor die Eltern ausgingen, zum obligatorischen »Gutenachtkuss« gesehen.

»Ich gehe mich umziehen«, sagte sie und stieg, ohne eine Antwort abzuwarten, hoch in ihr Zimmer. Sie fragte sich, warum es ihrer Mutter so wichtig war, dass sie frühzeitig hier war, wenn sie sich doch nicht mit ihr abgeben wollte.Ihr Zimmer war unverändert. Picobello aufgeräumt, mit nur wenigen Gegenständen, die zeigten, dass es einmal ein Kinderzimmer gewesen war. Ihre Mutter hasste Unordnung. Die Berge von Spielzeug, die es immer an Weihnachten gegeben hatte, waren stets zügig in Richtung Dachboden aussortiert und dann höchstwahrscheinlich entsorgt worden, damit diese nicht das ›Schöner Wohnen Ambiente‹ im Haus störten.

Irina Sanders, selbst aus ärmlichen Verhältnissen in Russland stammend, über die sie sich weigerte zu sprechen, war mit dem unbedingten Willen ausgestattet, jemand zu sein, zu dem andere aufschauten. Seitdem Geld keine Rolle mehr für sie spielte, kaufte sie sich Luxus und eleganten Stil. Mindestens einmal im Jahr hatte sie eine Innenarchitektin engagiert, die dafür sorgte, dass das Interieur der 450 Quadratmeter großen Bauhaus-Villa den vermeintlich exquisiten Geschmack der Hausherrin repräsentierte. Genauso verfuhr sie mit ihrer Kleidung. Als ehemaliges Model war sie es gewöhnt, Stylisten zu beschäftigen, um nichts dem Zufall zu überlassen. Charlie öffnete den Kleiderschrank, in dem mehrere Tages- und Abendkleider auf sie warteten und zog seufzend ein dunkelgrünes Samtkleid heraus, das ihre Rundungen mehr oder weniger erfolgreich kaschierte.

Als sie umgezogen war, schlich sie in die Küche, um Elli »Hallo« zu sagen. Sie fand die Haushälterin am großen Tisch vor, wie sie soeben mehrere Baguettes vorbereitete. »Hm, das riecht gut.« Schnuppernd stand Charlie in der Tür. Den Backkünsten von Elli konnte niemand das Wasser reichen.»Charlie! Wie schön, dich zu sehen!« Sie wollte Charlie drücken, dann fiel ihr auf, dass sie von oben bis unten mit Mehl bedeckt war. Sie deutete eine Umarmung in der Luft an und ging zum Waschbecken, um sich die Hände zu waschen und hängte die Schürze an einen Haken.

»Wie geht es dir? Hast du Hunger?«, rief sie Charlie über die Schulter hinweg zu.»Eigentlich nicht, aber wenn ich das hier rieche …«

Mit nun sauberen Händen drehte Elli sich zu ihr um, kam auf Charlie zu und nahm sie tüchtig in den Arm. Charlie sank an ihren ausladenden Busen. Dann stellte Elli ihr breit grinsend einen Teller mit Franzbrötchen und einen Milchkaffee hin.

»Erzähl mal, wie ist das wilde Theaterleben?« Neugierig beugte sie sich vor und sah Charlie mit glänzenden Augen an. »Hast du schon einen feschen Mann kennengelernt?«

Charlie musste lachen. Elli war ein begeisterter Operettenfan und stellte sich das Leben am Theater gern wie eine ebensolche vor.

»Schön wär’s!«, erwiderte Charlie seufzend. Auf einmal wanderten ihre Gedanken zu Jonathan. Was er jetzt wohl machte? Vielleicht hatte sich ein Lächeln in Charlies Gesicht geschlichen oder es lag an Ellis siebten Sinn. Augenblicklich jedenfalls leuchteten Ellis Augen wissend.

»Das gibt es doch nicht! Unsere Charlie ist verliebt! Ich habe Fred ja immer gesagt, wart’s ab, habe ich gesagt, da muss einfach mal der Richtige kommen! Wer ist es? Ich will alles wissen! Ein Dirigent? Oder ein Sänger? Bestimmt ein Tenor, oder?« Sofort begann sie, ›Dein ist mein ganzes Herz‹ zu summen.

Charlie musste über ihre Begeisterung lachen und brachte es nicht über sich, es ihrer mütterlichen Freundin gegenüber abzustreiten.

»Es gibt leider nicht allzu viel zu erzählen, wenn sich der Angebetete leider nicht für einen interessiert, oder?«

»Ach, wie schade! Auch noch unglücklich verliebt? Aber warte es nur ab. So einer schönen jungen Frau wird er nicht allzu lange entkommen können. Du musst es nur richtig anstellen. Pass auf. Es gibt ein paar überraschende Wendungen und dann ganz sicher ein Happy End!«

Charlie musste daran denken, wie sie sich in ihrer Jugend immer mit Elli über die Heldinnen in Jane Austens Romanen unterhalten hatte. Elli war eine hoffnungslose Romantikerin und vielleicht war auch das der Grund, warum Charlie sich in jemanden wie Jonathan verliebt hatte. »Wenn du doch bloß recht hättest!«

Sie nahm einen Schluck von ihrem Kaffee und dachte daran, wie wundervoll es wäre, eine eigene Familie zu haben. Mit ihren eigenen Kindern würde sie alles anders machen, das hatte sie sich geschworen. Sie würden in Liebe und Geborgenheit aufwachsen und sich so viel schmutzig machen dürfen, wie sie nur wollten.»Hier bist du!«, erklang wie auf Stichwort die erboste Stimme ihrer Mutter hinter ihr. Ihre schwarzen Augen sprühten Funken. »Man sollte meinen, dass du zuerst deinen Vater begrüßt!«Ja, das sollte man vielleicht, wenn die Dinge in ihrer Familie so wären wie bei normalen Leuten. Waren sie aber nicht. Charlie ballte kurz die Fäuste, schluckte ihren Ärger hinunter – vierundzwanzig Stunden würde sie das Ganze aushalten – und folgte ihr.

Pieter Sanders Arbeitszimmer war ein düsterer, holzgetäfelter Raum, der sich streng den Modernisierungsversuchen der Innenarchitektin und ihrer Mutter verweigerte. Als er Irina geheiratet hatte, hatte er ihr in allen Dingen freie Hand gelassen. Nur in seinem persönlichen Reich bestand er auf der Einrichtung, in der schon sein Großvater die Geschicke des Unternehmens gesteuert hatte. Er hob den Kopf, als sie hereinkamen, legte ein Dokument auf den Schreibtisch vor sich und fuhr mit seinem Rollstuhl auf sie zu.

»Charlie.«»Papa.«

Sie beugte sich vor und gab ihm einen Kuss auf die welke Wange. Verwundert registrierte sie, wie sehr er seit dem letzten Mal gealtert war. Sicher, er saß schon seit einer Weile im Rollstuhl, aber hatte trotzdem vital gewirkt. Nun hatte sie das Gefühl, einen Greis vor sich zu haben. Ob er krank war?

»Wie schön, dass du dich auch mal wieder blicken lässt«, bemerkte er und das Lächeln seiner Lippen reichte nicht ganz bis in seine Augen.

»Ich habe sie in der Küche vorgefunden!«, mischte ihre Mutter sich ein.»Danke, meine Liebe«, erwiderte ihr Vater mit leiser Stimme. »Wann werden denn Henrik und seine Freundin hier ankommen?«

Das Strahlen, das nun in den Augen ihrer Mutter zu sehen war, gab Charlie einen wohlbekannten Stich ins Herz.»

So gegen sechszehn Uhr. Ist es nicht großartig? Da lernen wir die Freundin unseres Sohnes genau an Heiligabend kennen. Das muss doch etwas bedeuten, oder?«

Als sie später alle zusammen mit einem Glas Champagner am Kamin saßen, ahnte Charlie, dass die geheimen Wünsche ihrer Mutter in Erfüllung gegangen waren. Es schien fast, als hätte ihr Bruder sich in eine Doppelgängerin seiner Mutter verliebt. Viktoria – natürlich hieß sie Viktoria, wie konnte eine Freundin ihres mustergültigen Bruders auch sonst heißen – war eine großgewachsene, wunderschöne junge Frau mit strahlend blauen Augen, langen schwarzen Haaren und einer in jeder Hinsicht perfekten Figur. Zu allem Überfluss hatte sie soeben ihr Jurastudium summa cum laude abgeschlossen. Irina Sanders hing förmlich an ihren Lippen. Einmal mehr fühlte Charlie sich inmitten ihrer Familie fehl am Platz und betete, dass der Abend schnell vorbeigehen möge. Sie hielt sich, soweit es ging, aus den Gesprächen heraus, nickte nur hin und wieder und murmelte gelegentlich etwas Zustimmendes.

Doch schließlich machte Viktoria den schweren Fehler, sich direkt an Charlie zu wenden. Diese war in Gedanken gerade bei der Silvesterfeier, an der höchstwahrscheinlich auch Jonathan teilnehmen würde. Vielleicht, ja vielleicht wäre es möglich, dass …

»Charlie!« Die beißende Stimme ihrer Mutter riss sie aus ihren Gedanken.

»Wie bitte?« Sie hatte nicht mitbekommen, über was soeben geredet worden war. Viktoria lächelte sie charmant an und ließ ihre perlweißen Zähne aufblitzen. »Ich hatte gefragt, was du so machst. Bist du auch im Familienbetrieb tätig?«

Charlie sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Hat Henrik das noch gar nicht erzählt? Ich bin am Theater. Als Dramaturgin.« »Ach, das ist ja interessant! Nein, Henrik hat das gar nicht erwähnt.« Neckisch wandte sie sich zur Seite und stupste ihn an die Schulter. »Dass du aber auch aus allem immer so ein Geheimnis machen musst!« Sie drehte sich wieder zu Charlie. »Ihm muss man solche Sachen förmlich aus der Nase ziehen. Aber«, und hier beugte sie sich verschwörerisch vor, »momentan liest man ja überall, dass die Jobs am Theater ziemlich schlecht bezahlt sind?« Mit großen Augen blickte Viktoria sie an, als könnte sie sich nicht vorstellen, wie sich jemand freiwillig für einen schlecht bezahlten Job entscheiden konnte.

»Kann sein. Aber mir kommt es nicht auf das Geld an. Mir gefällt es dort.«

»Na ja, Charlotte muss ja auch nicht aufs Geld gucken«, mischte Irina Sanders sich ein und stieß ein kleines Lachen aus. »Das ist so etwas wie ein Hobby für sie, bis sie herausgefunden hat, was sie wirklich machen möchte. Probier doch noch etwas von diesen Auberginen.« Auffordernd deutete sie auf ein Tablett, auf dem gebackene Auberginen um eine Frischkäsefüllung gerollt lagen. Charlie presste die Zähne fest zusammen, um nicht laut losschreien zu müssen.

»Danke, deine Art der Unterstützung ist großartig.«

»Schon gut, lasst uns darüber nicht mehr sprechen.« Irina wandte sich an Viktoria, als wäre Charlie nicht mehr im Raum. »Charlotte wird irgendwann auch ihren Weg finden, etwas für diese Familie zu leisten.«

Der Tonfall ihrer Mutter war vordergründig freundlich. Aber Charlie wusste, wie sie das meinte. Auf einmal platzte ihr der Kragen und alle Emotionen, die sie so tief in sich vergraben hatte, bahnten sich ihren Weg an die Oberfläche.

»Und du, Irina?«

Ihre Mutter kniff warnend die Augen zusammen, doch Charlie war nicht mehr zu stoppen.

»Was hast du für diese Familie getan? Außer dir einen reichen Mann zu angeln, meine ich!« Auf einmal wurde Irina blass um die Nase

.»Du wirst unverschämt!«, sagte sie mit vor Zorn zitternder Stimme. Da wusste Charlie plötzlich, dass genau jetzt und hier der Zeitpunkt gekommen war, an dem sie nicht mehr schweigen wollte. »Ich meine, was hast du hier geleistet? Du gibst das Geld meines Vaters in vollen Händen aus und dein einziger Beitrag dafür ist dein Aussehen. Du hast keine Bildung und kein Benehmen. Eigentlich kommst du aus der Gosse. Tu doch nicht immer so, als wärst du etwas Besseres!«

Das saß. Der ganze Raum war verstummt. Viktoria hatte sich peinlich berührt abgewandt, Henrik ballte die Fäuste und ihr Vater starrte sie entsetzt an. Es schien, als hätten alle die Luft angehalten. Ein Teil von Charlie bereute ihre Worte sofort wieder. Sie wusste genau, wie nachtragend ihre Mutter sein konnte. Doch der andere, größere Teil dachte: »Das fühlte sich gut an. Hätte ich längst mal machen sollen.«

»Pieter?«, wandte Irina Sanders sich mit zusammengekniffenen Lippen an ihren Mann. »Lässt du sie das einfach so sagen? Mich in meinem eigenen Haus so beleidigen?«

Müde sah ihr Vater auf, ließ wie ein trauriger Pudel die Schultern hängen. Dann räusperte er sich, tupfte sich umständlich mit der Serviette die Mundwinkel ab und kam zu einer Entscheidung.

»Charlotte …«, begann er zögernd, doch sie unterbrach ihn, weil sie ahnte, was kommen würde. Wie sehr sie sich wünschte, dass er für sie Partei ergriff. Leider war das fünfundzwanzig Jahre lang nicht geschehen.

»Spar dir deine Worte.« Sie bemerkte, wie ihre Stimme bebte. »Ich hätte ohnehin nicht herkommen sollen. Tut mir leid, Viktoria, wenn du unfreiwillig Zeugin eines Familienstreites geworden bist, aber … nun ja, ich fahre dann mal zurück nach Hause. In mein neues Zuhause. Und außerdem«, nun wandte sie sich an ihre Mutter, »ich verdiene mein eigenes Geld und brauche eure finanzielle Unterstützung nicht. Vielen Dank.«

Sie straffte ihre Schultern und ging mit weichen Knien aus dem Raum, hinauf in ihr Zimmer. Ihr Herz klopfte wie wild und ihre Hände zitterten, als sie sich das Kleid und die passenden Pumps auszog und wieder in Jeans und Pulli schlüpfte. Doch auf keinen Fall wollte sie jetzt weinen. Sie biss sich in die Mundwinkel, um die Tränen zu unterdrücken, die in ihr lauerten. Hastig packte sie ihre Sachen in den Trolley, tat noch ihre Lieblingspuppe und ihre beiden Tagebücher dazu und machte sich daran, das Haus zu verlassen und eventuell nie mehr zu betreten. Sie war wie erstarrt, als sie die Treppe herunterging. Ob noch eine Bahn in Richtung Marienburg fuhr? Es blieb ihr wohl nichts anderes übrig, als es zu versuchen. Sie ging am Wohnzimmer vorbei, ohne sich zu verabschieden. Drinnen hörte sie leises Geflüster. Dann stand sie draußen im Regen.

Gerade wollte sie die Einfahrt hinuntergehen, als Fred neben ihr auftauchte und ihr sanft die Hand auf die Schulter legte.

»Elli hat mir erzählt, was passiert ist. Ich fahre dich.«

Sie wehrte ab. »Das ist nicht nötig, ich komme schon klar.« Es fühlte sich nicht richtig an, jetzt noch den Chauffeur der Familie in Anspruch zu nehmen. »Ich habe ohnehin schon Feierabend. Ich fahre dich, weil ich es möchte, in Ordnung?«

Sie packte ihren Koffer in den Kofferraum und öffnete die Beifahrertür. »Darf ich ausnahmsweise hier sitzen?«

Überrascht sah er sie an, nickte aber und startete den Motor. Erst als er zur A7 anstatt in Richtung des Bahnhofs fuhr, verstand sie, was er vorhatte. »Du kannst mich doch jetzt nicht bis nach Marienburg kutschieren. Das sind fast zwei Stunden für nur eine Strecke!«

»Natürlich kann ich und ich werde das auch. Glaubst du, ich lasse dich in dem Zustand einfach so am Bahnsteig zurück? Das würde Elli mir nie verzeihen, kannst du mir glauben.«

Diese Nettigkeit öffnete die letzten Schleusen in ihrem Inneren und ließ die Tränen herausströmen. Und weil es dunkel war, ließ sie diese fließen, versuchte nicht, sie zurückzuhalten, sondern atmete bloß so flach wie möglich, in der vagen Hoffnung, dass er ihr Weinen nicht bemerken würde. Schweigend fuhren sie durch die Nacht, doch dann schob er ihr stumm eine Kleenexpackung entgegen, die sie dankbar, aber ebenso wortlos entgegennahm.

Was für ein Glück, dass es wenigstens Fred und Elli gab. Ohne die beiden wäre sie wohl längst verrückt geworden. Ihre Nannys blieben in der Regel nur ein oder zwei Jahre. Diese beiden waren die einzigen Menschen, die immer freundlich zu ihr gewesen waren und sich nach Kräften um sie gekümmert hatten. Wie oft Elli sie vor ihrer Mutter gedeckt oder ihr das Abendessen aufs Zimmer gebracht hatte, wenn sie es aufgrund irgendeines Vergehens nicht bekommen sollte. »Ich werde so schnell nicht wiederkommen«, sagte sie schließlich, als sie schon eine Stunde unterwegs waren und an Bremen vorbeifuhren.

Draußen weinte der Himmel ihre Tränen weiter, die mittlerweile versiegt waren, und ihr wurde klar, dass es ihr um nichts schade war, außer um Fred und Elli. Vielleicht war das ihre Gelegenheit auf ein eigenes Leben. Endlich herauszufinden, wer sie war. Auf jeden Fall war sie ohne die Unterstützung ihrer Eltern erheblich ärmer als vorher. Nun brauchte sie ihren Job dringender als je zuvor. Ein ungekanntes Gefühl der Angst breitete sich aus. Was wäre, wenn beim nächsten Gespräch mit dem Intendanten ihre Entlassung und nicht ihre Beförderung Thema wäre?

»So schlimm?«, fragte er leise. Er war kein Mann großer Worte.

»Ja. Aber ich melde mich bei euch, ok?«

»Bitte, sonst machen wir uns die ganze Zeit Sorgen. Auf Ellis Handy am besten.« Inzwischen regten sich die beiden über die Art und Weise, wie die Sanders ihre Kinder erzogen, nicht mehr auf. Vor Jahren einmal hatte es einen Moment gegeben, wo Elli das Ganze nicht mehr aushielt und Fred bekniete zu gehen. Doch seine Frage »Und was ist dann mit Charlie?« bewog sie zu bleiben. Vermutlich war es nur ihnen zu verdanken, dass die Tochter ihrer Arbeitgeber nicht wie so einige Kinder aus ihrem Bekanntenkreis den Ausweg über die Drogen suchte. Nicht nur in Charlies Elternhaus war nicht alles Gold, was glänzte.

Um ein Uhr nachts bog Fred in die kleine Gasse ein, in der Charlies Wohnung lag. Sie stiegen aus und er trug ihr kommentarlos den Koffer die kleine Treppe hoch, die zu ihrem Eingang im ersten Stock führte. »Nett hast du es hier«, kommentierte er die bunt zusammengewürfelte Einrichtung. Viele der Möbel hatte sie von ihren Vormietern übernommen, einem Paar aus den USA, das zurück in die Staaten gegangen war. »Geht ganz gut ohne Innenarchitektin, oder?« Sie grinste. Dann wurde sie ernst. »Ich werde euch vermissen.«

»Wir dich auch. Pass gut auf dich auf und wenn du irgendetwas brauchen solltest …«

»Danke, das weiß ich zu schätzen.« Nachdem er sich mit einer aufmunternden Umarmung verabschiedet hatte, fühlte sie sich wie der einsamste Mensch auf dem Planeten. Wie viele Leute wohl den Heiligabend allein verbrachten?

Auf einmal wurde ihr klar, dass sie jetzt vollkommen auf sich gestellt war. Eine leichte Panik stieg in ihr auf und schnürte ihr den Hals zu. Von diesem Moment an würde ihr Leben ohne Netz und doppelten Boden ablaufen. Mit wacheren Augen musterte sie die Wohnung, die nun ihre einzige Welt war. Als sie eingezogen war, hatte sie das zusammengewürfelte Mobiliar wie ein aufregendes Accessoire ihres neuen Künstlerlebens betrachtet. Doch nun erschien es ihr ärmlich und ungenügend. Das Geschirr passte nicht zusammen und türmte sich in der Spüle, wenn sie es nicht sofort wegräumte. Die fensterlose Küche besaß lediglich zwei Kochplatten ohne Backofen. Das Sofa im kleinen Wohnzimmer war durchgesessen und nur mit Überwurf zu gebrauchen. Weil es kein Regal gab, waren die Bücher stattdessen in einer Ecke zu einem Turm gestapelt. In der engen Dusche spürte sie unweigerlich den geblümten Plastikvorhang an ihrem nassen Körper kleben.

Unruhig strich sie durch die Räume und sah durch das Wohnzimmerfenster auf die dunkle Straße. In den meisten Häusern brannte kein Licht mehr. Nur schräg gegenüber flackerte ein Fernseher. Waren all ihre Nachbarn über Weihnachten verreist? Sie fühlte sich einsamer als je zuvor in ihrem Leben und Tränen sammelten sich in ihren Augen. Eine böse Stimme in ihrem Inneren flüsterte, dass es ihr recht geschehe und sie sich ihr Elend selbst zuzuschreiben habe. Die jahrelangen Einflüsterungen ihrer Mutter versuchten, Macht über sie zu bekommen. Diese gemeinen Worte, die stets nur dem einen Zweck dienten, aus ihr die folgsame Sklavin von Irina Sanders zu machen.

Doch sie war kein Kind mehr, das zur Strafe auf sein Zimmer geschickt wurde. Sie war eine erwachsene Frau mit einem eigenen Leben und einem eigenen Job. Entschlossen ballte sie die Fäuste, presste die Lippen fest aufeinander und ermahnte sich mantraartig zur Stärke. Mit eisernem Willen bekämpfte sie die aufkeimenden Gedanken, die nach Hoffnungslosigkeit und Angst schmeckten.

Nein, jedes Ende war ein neuer Anfang. Dies war der Moment, die Veränderungen in ihrem Leben anzunehmen wie eine Weide, die sich im Sturm bog, und nicht daran zu zerbrechen. Leise, ganze leise begann ein bislang ungekanntes Gefühl in ihrer Seele zu keimen. Ein Gefühl von unendlichen Möglichkeiten. Sie war nur noch für sich selbst verantwortlich und völlig frei zu tun und zu lassen, was sie wollte. Mit einem kämpferischen Lächeln auf den Lippen fiel sie schließlich in einen unruhigen Schlaf.

Dies ist eine Geschichte aus meinem Roman „Puccini zum Frühstück“. Wenn ih mehr davon lesen wollt: Hier gibt es eine Leseprobe auf Amazon

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