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Kategorie: Leseproben

Fast schon vorbei, der Sommer 2020…

Kaum zu fassen, dass der Sommer schon fast wieder vorbei ist! Grad hier in Hamburg stehen schon alle Zeichen auf Herbst! Ein Gutes hat das allerdings: Bald kann ich mich wieder besser in meinen Winterroman hineindenken. Minusgrade und so hoher Schnee auf den Straßen, dass ein Auto liegenbleibt kann ich mir momentan gar nicht vorstellen … ‍♀️

„Dicke Schneeflocken segelten auf die Windschutzscheibe des Buicks, den ihr Vater ihr im Sommer zum Beginn ihres Studiums geschenkt hatte, stolz darauf, dass sie sich nun doch für Yale entschieden hatte, anstatt nach Paris zu gehen. „Damit du immer nach Hause kannst, wenn dir danach ist.“
Das war typisch für ihren Vater und den Helden ihrer Kindheit. Alles würde er tun für seine „Prinzessin“, wie er sie nannte, für das Nesthäkchen der Familie. Wie gut, dass er nicht ahnte, dass Kate triftige Gründe hatte, ihre kleine Heimatstadt in den Hügeln von Vermont zu meiden und eigentlich in nächster Zeit nicht geplant hatte, zurückzukommen. Geheimnisse wahrten sich nämlich schlecht in dem 900-Seelen-Nest Dawsonhills, wo jeder jeden kannte. (…)

#Weihnachtsroman #Herbst #balkonblumen #schreiben #nächstesbuch #liebesroman #romantisch #komödie #rockstars #boygroup

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Zwischenfall mit Osternest

Mit einem Berg Schulden und einer Menge geplatzter Träume im Gepäck ist Laura gezwungen, aus New York zurück in die Ostwestfälische Kleinstadt zu ziehen und bei ihrer großen Schwester unterzukriechen. Dumm nur, dass sie in den letzten drei Jahren quasi keinen Kontakt mehr gehabt haben …

Dies ist exklusiv für euch der Beginn meines nächsten Romans „Sommerwiesenduft“. Viel Spaß damit!

Schwarnberg, Ostwestfalen, Ostersamstag 2018

„Siebenzwanzig fuffzig!“, brummte der Taxifahrer und streckte ihr seine speckige Hand hin.

Laura reichte ihm dreißig Euro.

„Stimmt so“, sagte sie und das Geld verschwand in seinem Portemonnaie.

Sie stieg aus. Unwillkürlich zog sie den Kopf zwischen die Schultern. Hier war nichts davon zu spüren, dass es schon fast Sommer war. Eiskalt fühlte sich der Nieselregen über ihrem dünnen Kostüm an.

Der Fahrer öffnete den Kofferraum, in dem sich zwei gigantische Koffer und ein Kleidersack befanden. Laura wartete darauf, dass er die Gepäckstücke herausnahm und sie den schmalen Gehweg bis zur Eingangstür herauftrug, doch er machte dazu keine Anstalten.

„Könnten Sie mit bitte mit dem Gepäck helfen?“, fragte sie schließlich mit hochgezogenen Augenbrauen und ein wenig schärfer als gedacht.

„Ne, ich hab Bandscheibe. Sie machen das schon.“

Er verschränkte die Arme vor der Brust.

So etwas hatte Laura in den letzten drei Jahren nicht erlebt. In New York wäre dieses Verhalten undenkbar gewesen. Aber in Schwarnberg, der provinziellen Kleinstadt am Rande des Teutoburger Waldes, war selbstverständlich alles anders.

Weil sie nicht noch länger im Regen stehen wollte, begann sie unter dem genervten Blick des Taxifahrers, ihr Gepäck aus dem Auto zu zerren. Sie hatte das Gefühl, Ziegelsteine eingepackt zu haben, so schwer waren die Koffer, die die Überreste eines ganzen Lebens enthielten.

Sie fluchte leise, als sie sich beim letzten einen ihrer sorgfältig manikürten Fingernägel abbrach.

Der Fahrer düste ab. Verloren blieb sie am Straßenrand stehen und sah ihm nach, bis er verschwunden war. Sie sehnte sich danach, immer noch im Taxi zu sitzen und wieder in die weite Welt fahren zu können. Doch nun war sie hier. Wieder. Und erstmal würde sie bleiben müssen, in ihrer Heimatstadt, die ihr vertraut und doch unendlich fremd war.

Drei Jahre war es her, dass ein Prinz auf einem weißen Pferd in Form von Mark Turner II sie aus dieser Provinz gerettet hatte. Sie war so froh gewesen, ein anderes Leben zu führen, dass sie Schwarnberg keine Träne nachgeweint hatte. In der ganzen Zeit war sie nicht ein einziges Mal zurückgekehrt. Die Anrufe ihrer Schwester hatte sie höchstens sporadisch erwidert. Wie dumm nur, dass diese Schwester nun ihre letzte Rettung war.

Zögernd wandte sie sich wieder dem Haus zu, das ungerührt von den Geschehnissen der vergangenen Jahre immer noch auf demselben kleinen Hügel thronte wie damals, als ihre Eltern noch gelebt hatten.

Das Eigenheim der Meisters gegenüber, von denen ihre Mutter im Spätsommer immer Kübel voller reifer Pflaumen bekommen hatte, war drei eng aneinandergeklebten Reihenhäusern gewichen, mit handtuchbreiten, aber akkurat geschnittenen Rasenflächen vor den identischen Eingängen. Laura fragte sich, ob es bereits bewohnt war, denn kein Licht erhellte die moderne Fensterfront. Waren etwa alle Besucher über Ostern verreist?

Aus dem Haus, in dem nun Lauras Schwester Susanne mit Mann und Kind wohnte, drang plötzlich lautes Stimmengewirr. Unwillkürlich zuckte sie zurück. Hatte ihre Schwester ausgerechnet heute Gäste? Ihr Magen zog sich zusammen bei dem Gedanken, dass Susanne eine Willkommensparty organisiert haben könnte. Sie beschloss, erst einmal nachzuschauen, wer im Haus war.

Behutsam stellte sie ihr Gepäck auf den moosbesetzten Bodenplatten ab und schlich vorsichtig zum Küchenfenster hinüber, darauf bedacht, ihre nudefarbenen Ballerinas nicht schmutzig zu machen. Dort hatte sie als Kind oft einen Keksteller entgegengenommen, wenn sie vom Spielen im Garten hungrig geworden war.

Mit einem kleinen Lächeln entdeckte sie ein Osternest, dass sich zum Schutz vor Regen zwischen Fensterbank und dem alten Rhododendron versteckte. Genauso hatte ihre Mutter es früher auch gemacht.

Kurz vor dem Fenster duckte sie sich, um nicht gesehen zu werden, und kroch nah an die Hauswand, von der der Putz zu bröckeln begann. Sie umfasste das Fensterbrett und zog sich vorsichtig hoch, um durch die Scheibe zu lugen.

Genau in dem Moment lief plötzlich eine fette schwarze Spinne über ihre Hand, die Laura in ihrem Versteck aufgeschreckt haben musste. Sie unterdrückte einen Entsetzensschrei, taumelte zurück und konnte gerade noch verhindern, dass sie rücklings in den Matsch fiel. Dafür aber vernahm sie ein erst suppendes, dann knirschenden Geräusch und spürte, wie sie mit den Schuhen genau in das Osternest getreten war.

Eine braune Brühe ergoss sich über ihre Dreihundert-Dollar-Schuhe. Die buntglitzernden Eier mussten eine flüssige Füllung gehabt haben.

Einen Moment lang hielt sie inne, um zu lauschen, ob jemand ihr merkwürdiges Manöver entdeckt hatte. Wegen des ungemütlichen Wetters war die Straße glücklicherweise menschenleer.

Dann sah sie sich das Desaster an. Das Nest war ein Totalschaden. Eigentlich war es auch ziemlich unvorsichtig von ihrer Schwester, die kleinen Kostbarkeiten schon am Ostersamstag draußen im Regen zu platzieren. Schließlich konnten sich ja Tiere an den Süßigkeiten gütlich tun.

Mit spitzen Fingern hob Laura die matschige Masse hoch und ging zur Mülltonne hinüber, die immer noch unter dem Verschlag stand, den ihr Vater vor vermutlich dreißig Jahren gebaut hatte.

Laura rümpfte die Nase, als sie den Deckel anhob und ihr ein Geruch nach altem Fisch in die Nase stieg. Schnell ließ sie das Osternest hineinfallen und klappte den Deckel wieder zu.

Doch sie hatte sich erst ein paar Schritte wieder entfernt, als ihr aufging, dass sie den Beweis ihrer Missetat nicht gut genug versteckt hatte. Sie kehrte um und spähte mit angehaltenem Atem in die Mülltonne. Nicht gut. Jeder, der etwas hineinwarf, konnte das bunte Schokoladenpapier entdecken.

Sie schaute sich nach einem brauchbaren Werkzeug um. Schließlich nahm sie die verrostete Harke, die an der Regenrinne lehnte und stocherte mit ihr solange in der Mülltonne herum, bis nichts Verdächtiges mehr zu entdecken war.

Dann unterdrückte sie ein Würgen und pulte die schmierigen Zellophanreste, die sich in den Zinken der Harke verfangen hatten wieder ab.

Hoffentlich bekam sie jetzt nicht als Nächstes einen Ekelherpes.

Genau in dem Moment, als sie über den Rasen zur Eingangstür stakste, verwandelte sich der Nieselregen in eine Dusche. Das gab ihren sorgfältig gewellten Haaren den Rest. Strähnig klebten sie an ihrem Kopf und tropften über die Schultern ihres durchweichten Seidenkostüms.

Als sie wieder bei ihrem Gepäck war, betete sie, dass die Koffer das Wasser einigermaßen abhielten und zog eine Kleenexpackung aus der Seitentasche, um die Schokoladespuren auf ihren Schuhen zu entfernen. Doch auf diese Art schienen sich die braunen Flecken nur noch tiefer in das feine Leder zu fressen.

Sie gab es auf, ließ den Platzregen über sich ergehen und hatte das Gefühl, dass die Wolken die Tränen weinten, die sie immer noch nicht vergossen hatte.

Schlimmer konnte es nicht mehr werden, dachte sie, als sie zaghaft auf den Eingang zuging. Auf einmal öffnete sich vor ihr die Haustür und ein Mann mit Hipsterbart und einer merkwürdigen Wollmütze stürzte heraus, den Kragen seiner Cordjacke vorausschauend gegen den Regen hochgeklappt.

„Danke euch. Tut mr leid, dass ich so plötzlich weg muss“, rief er über die Schulter.

Da erst erblickte er sie und blieb wie angewurzelt stehen. Ungläubig riss er die Augen auf.

„Laura?“

Er schien auf ein Erkennen ihrerseits zu warten. Denn er verharrte einen Moment lang. Doch Laura hatte keine Ahnung, wer da vor ihr stand, obwohl sie hektisch ihr Personengedächtnis durchforstete.

Also sah die ihn nur fragend an. Er zuckte die Achseln und schwang sich auf das Fahrrad, das unangeschlossen am Zaun gelehnt hatte.

„Laura?“, erklang die Stimme ihrer Schwester in ihrem Rücken. „Was machst du denn schon hier? Wir haben dich doch erst am Montag erwartet!“

Ein bisschen müsst ihr euch noch gedulden, bis mein nächster Roman erscheint. Bis dahin schaut euch gern meine anderen Bücher an. Hier gibt es eine Leseprobe von „Wer den Frosch küsst“hier findet ihr eine zu „Puccini zum Frühstück“.

Mit ein bisschen Glück könnt ihr einen der Romane als Ebook gewinnen. Meldet euch einfach bei meinem Newsletter an und nehmt an der Osterverlosung teil!

Diese Erzählung ist Teil des Autoren-Adventskalenders, wo ihr jeden Tag eine neue, wunderbare Geschichte entdecken könnt. Schaut euch gern einmal die wunderbaren Beiträge meiner Kollegen und Kolleginnen an!

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Foto: Pixabay!

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Waldlauf mit Folgen

Team Stadt oder Team Land? Wo fühlt ihr euch am wohlsten? Meine neue Protagonistin Laura hat da gegenwärtig eine sehr klare Meinung: am liebsten wieder umgehend in eine Großstadt. Was meint ihr, ändert sie ihre Ansichten noch in Verlauf der Geschichte? Und was hat das alles mit einem Stier zu tun?

Der Himmel war bedeckt, aber man spürte deutlich, dass der Winter nun passé war. Eine leichte Brise strich ihr um die Nase. Unschlüssig stand sie an der Straße und blickte die geordnete Reihe Einfamilienhäuser entlang. Rechts oder links? Über die frisch gesäten Felder oder lieber in den Wald?

Laura dachte daran, wie die New Yorker den Central Park liebevoll ihren „Wald“ nannten und wie hochgeschätzt jedes Fitzelchen Grün in der betonlastigen Stadt war. Das gab den Ausschlag. Gemächlich trabte sie links die Straße herunter, den Feldweg entlang, auf dem sie als Kind Fahrradfahren gelernt hatte, und tauchte dann in das Gehölz ein.

Tapfer bemühte sie sich, die frische Luft zu genießen und dem Gesang der Vögel zu lauschen, der aus den Baumwipfeln zu ihr herunterschallte. Doch mehr und mehr wurde ihr etwas überdeutlich bewusst: Es war hier zu still. Ihr fehlten die in New York allgegenwärtigen Verkehrsgeräusche, die Mütter mit ihren Kinderwagen, ihr fehlten sogar die aufdringlichen Bettler und Straßenverkäufer.

Die ungewohnte Ruhe des Waldes löste ein latentes Unbehagen in ihr aus, musste sie erstaunt feststellen. Sie konnte sich nicht erinnern, dass das früher so gewesen war. Als Teenager, als ihr klar geworden war, dass man sich eine schlanke Figur hart erarbeiten musste, war sie häufig hier entlanggelaufen. Und nun machte ihr ausgerechnet ihre ehemalige Stammstrecke Angst!

Plötzlich hörte sie ein Knacken hinter sich und fuhr zusammen. Augenblicklich fühlte sie sich verfolgt. Sie beschleunigte instinktiv ihre Schritte und warf verstohlen einen Blick über die Schulter. Doch es war niemand zu sehen. Ein Teil von ihr wollte dennoch sofort umdrehen.Sie schalt sich eine Närrin. Nein, von so etwas wie Angst ließ Laura sich nicht von ihrem Sportprogramm abbringen. Morgen würde sie sich Pfefferspray besorgen, damit sie sich besser fühlte. Für heute musste es so gehen.

Sie nahm ihre Kopfhörer aus der Tasche und stellte eine schwungvolle Musik an. Zu den Beats von Rihanna lief es sich schon viel besser, weil sie nicht auf irgendwelche Geräusche lauschen konnte. Sie spürte, wie sie sich entspannte und die Füße wie von selbst in den richtigen Rhythmus fanden. Nun genoss sie die frische Luft und hatte fast das Gefühl zu schweben, während sie sich von ihren Füßen über den weichen Waldboden tragen ließ. Eine angenehme Gelassenheit breitete sich in ihr aus.

Das wirre Karussell ihrer Gedanken begann sich zu beruhigen und wich einer Ahnung von Klarheit und ja, auch Hoffnung. Vielleicht täuschte sie sich darin, dass sie aus dem Sumpf, in den sie sich selbst begeben hatte, nicht wieder herauskommen konnte. Vielleicht würde sie doch noch einen Weg finden und irgendwann sogar einen neuen Anlauf ins Glück starten können. Vielleicht …„Vorsicht! He, pass auf!“

In die Musik mischte sich das Rufen einer männlichen Stimme. Verwundert drehte sie sich um. Woher kam dieser Ruf?

Der Blick hinter sich zeigte ihr, dass ihr diese Frage herzlich egal sein konnte, nein, musste. Wenige, vielleicht zweihundert Meter entfernt, fegte ein riesiges Tier durch das Unterholz. War das ein Stier? Pechschwarz und wutschnaubend jedenfalls. Und mit einem Paar Hörner bestückt, die einem die Eingeweide rausreißen konnten. Dass ihr bei diesem Anblick das Blut in den Adern gefror, war ausnahmsweise mehr als eine Floskel aus einem schlechten Thriller.

Einen Moment lang starrte sie fassungslos auf das schwarze Ungetüm, unfähig, irgendeine lebensrettende Entscheidung zu fällen. Denn eines war klar – das Tier hielt direkt auf sie zu.„Weg da!“

Dieser Befehl löste endlich ihre Erstarrung. Sie dreht sich um und rannte los. Schlug zweimal Haken, um nicht mehr in der Fluchtrichtung des Tieres zu sein. Doch irgendetwas musste sie an sich haben, dass es ihr unbeirrt folgte. Panisch blickte sie sich nach einem Baum um, auf den sie klettern könnte.

Aber die in ihrer Nähe waren viel zu hoch. Mit aller Kraft, die sie hatte, lief sie weiter, aber das Tier kam unaufhörlich näher.Nach allem, was geschehen war, sollte das hier ihr Ende werden? Ein absurder Gedanke stieg in ihr auf: das Foto ihres durchlöcherten Körpers auf der Titelseite der New York Times mit der Überschrift „Skandal-Ex von Stier gepfählt“.

Alle, die die Geschichte kannten, würden sich zunicken und meinen: „Irgendwie geschieht ihr das recht, was für ein unwürdiges Ende.“

Sie stolperte über die dicke Wurzel eines Ahornbaumes und entdeckte linker Hand plötzlich eine mögliche Rettung. Ein großer Nadelbaum hatte den Herbststürmen offenbar nicht standgehalten und war quer über einer Eiche gelandet. Das könnte ihre Chance sein, sich außerhalb der Reichweite des Ungetüms in Sicherheit zu bringen.

Das Tier war mittlerweile nur noch wenige Meter von ihr entfernt. Das Stampfen der Hufe dröhnte laut in ihren Ohren. Sie mobilisierte ihre letzten Reserven, doch der Abstand zwischen ihnen wurde immer kleiner.„Hilfe“, bat sie stumm in Richtung Himmel, obwohl sie längst aufgehört hatte, an spirituelle Dinge zu glauben.

„Hilf mir und ich werde der beste Mensch sein, den man sich vorstellen kann!“Wenige Schritte trennten sie von dem rettenden Baum. Aber nun war klar, dass sie es nicht mehr rechtzeitig schaffen würde. Sie meinte, schon fast den Atem des Angreifers in ihrem Nacken zu spüren. Verzweifelt kämpfte sie sich weiter und wartete die ganze Zeit auf den unausweichlichen Aufprall.

Ein ohrenbetäubender Knall war zu hören. Laura fiel zu Boden und schaffte es gerade noch, schützend ihre Arme über den Kopf zu heben. Kleine Äste auf weichem Waldboden bohrten sich in ihr Gesicht, während sie auf das Ende wartete. Dieses war überraschend still, unspektakulär und … merkwürdigerweise war da kaum Schmerz, stellte sie mit einiger Erleichterung fest. Zumindest wenn man von dem Brennen an ihrem rechten Knie absah. Doch wieso war es so still?

Vorsichtig senkte sie die Arme und hob den Kopf, um einen Blick über die Schulter zu riskieren.Fassungslos registrierte sie, dass der kraftvolle Bullenkörper schlaff auf einem Bett aus Tannennadeln lag. Ob er tot war? Wie konnte das sein?

Da erst merkte sie den großgewachsenen Mann, der mit eiligen Schritten näherkam. Er war wie eine Erscheinung, ein Wunder aus einer fremden Welt, mit der Schrotflinte im Arm, dem Jägerhut und dem Holzfällerhemd.

Plötzlich schaffte es ein Sonnenstrahl durch die dichte Wolkendecke und tauchte die Szenerie in ein unwirkliches Licht. Kurz dachte sie an ein anderes Bild: die Jungfrau in der Sage, die der edle Ritter den Klauen des Monsters entreißt. Dann begann der edle Ritter zu sprechen und wie eine Seifenblase verflüchtigte sich das Bild wieder.

„Alles in Ordnung mit dir?“

Seine Miene war bestürzt, seine Stirn gefurcht.

Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch auf einmal merkte sie, wie sie vor Schreck am ganzen Körper zitterte. Unkontrollierbar bewegte sich ihre Arme hin und her.

„Ich denke schon“, brachte sie schließlich krächzend hervor.

Als wäre er sich nicht sicher, ob er das wirklich glauben könnte, beugte er sich vor und reichte ihr eine große, schwielige Hand. Die Hand eines Mannes, der täglich körperlicher Arbeit nachging, das konnte man unschwer erkennen. Vincents Hände waren immer weich und gepflegt gewesen, nicht durch eine einzige Schwiele verunstaltet.Kritisch inspizierten seine erstaunlich blauen Augen ihren Zustand. Auf einmal hatte sie das Gefühl, ihn von irgendwoher zu kennen, doch es wollte ihr einfach nicht einfallen, woher.

Sie ergriff die Hand und ließ sich hochhelfen. Mit weichen Knien stand sie schließlich über dem Ungetüm mit dem schwarzglänzenden Fell. Schweigend verharrten sie einen Moment nebeneinander.

„Ist er tot?“, fragte sie leise und bemerkte, dass ihr das trotz allem etwas ausmachen würde.Irritiert sah ihr Retter sie an. Da erst entdeckte sie die Blutlache, die sich neben dem Kopf des Tieres auszubreiten begann, und ihr Magen verkrampfte sich. Mit plötzlich aufkeimender Angst sah sie den Mann neben sich an. Wie hatte er aus der Entfernung das Tier so zielgenau zu treffen vermocht? War so etwas überhaupt erlaubt?

Er schien ihr Unbehagen zu bemerken und ließ das Gewehr, das er noch immer in der Hand trug, auf den Rücken gleiten.

„Der Bulle sollte in den Transporter zum Schlachthof verladen werden und ist in Panik geraten. Dein Glück, dass ich gleich hinterher bin und nicht auf die Polizei gewartet habe. Ich hatte so ein ungutes Gefühl …“

Mit einem schiefen Grinsen sah er sie an. Wieder dachte sie, dass er ihr irgendwie vertraut vorkam. Sicher, wenn er ein Bauer hier aus der Gegend war, waren sie sich vermutlich schon als Kinder begegnet. Wie alt mochte er sein? So alt wie sie oder ein winziges Bisschen älter?Plötzlich lachte er schallend auf.

„Du hast keinen blassen Schimmer, wer ich bin, oder?“

Konzentriert suchte sie in ihrem Gehirn nach einer Idee, wer er wohl sein konnte. Da endlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Natürlich. Er war der Hipster mit dem Fahrrad, der ihr bei ihrer Ankunft begegnet war, und musste ein Freund von ihrem Schwager sein.

„Doch“, entgegnetet sie zögernd. „Wir haben uns vor vier Tagen gesehen, als du aus dem Haus meiner Schwester gekommen bist.“

Damit schien sie ihn verärgert zu haben. Er kniff die Lippen zusammen und musterte sie kühl.Während sie darüber nachgrübelte, wieso er so seltsam reagierte, spürte sie plötzlich, wie das Blut in ihren Ohren zu rauschen begann, dann sackten ihr die Knie weg.(…)


Dies ist exklusiv für den Autorenadventskalender ein Auszug aus einem Roman, an dem ich momentan arbeitet, mit dem vorläufigen Titel „Lauras Rückkehr“. Hat es euch gefallen? Dann würde ich mich über eure Rückmeldung freuen! Wenn ihr wissen möchtet, wann der Roman veröffentlicht wird, könnt ihr mir gern auf Facebook oder Instagram folgen oder auch meinen Newsletter abonnieren. Neugierig, was ich sonst noch so schreibe? Hier geht es zu meinen bisherigen Romanen.

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An alle Kaffeejunkies

Gibt es noch jemanden von euch, der ohne Kaffee morgens gar nicht in Gang kommt? Ich oute mich hier mal als totaler Kaffeejunkie. Am liebsten den guten italienisches Espresso. Im Notfall trinke ich aber auch alles, das im Entferntesten an Kaffee erinnert.

Da macht es mir meine Protagonistin Charlie aus „Puccini zum Frühstück“ übrigens nach.

Hier eine kleine Kaffeeszene:

Mit einem Ruck sprang sie aus ihrem Bett, ignorierte die zerwühlten Laken und eilte unter die Dusche. Wie hatte sie ihr Vorstellungsgespräch vergessen können? Noch nicht einmal ihre Sachen waren gepackt. Außerdem wollte sie sich eigentlich noch die Haare glätten und ihre Bluse musste dringend gebügelt werden. Doch dafür war keine Zeit mehr. Eilig zog sie Jeans und Pullover an, warf frische Kleidungsstücke und Kulturbeutel in den Koffer und schnappte sich ihre Laptoptasche. Um elf Uhr dreißig stapfte sie im Stechschritt los.

Eine eisige Brise blies ihr den Regen ins Gesicht und es wunderte sie nicht, dass sie außer Hundebesitzern keiner Menschenseele begegnete. Bei dem Wetter würde sie auch lieber die Füße auf die Heizung legen. Ihr Zug stand bereits am Gleis, als sie keuchend hinaufkam. Sobald sie eingestiegen war, schlossen sich die Türen hinter ihr. Völlig erschossen sank sie in einen der Sitze und musste zunächst tief durchatmen.

»Kaffee?«, fragte ein Mann, der einen Wagen mit Snacks durch den Gang bugsierte. Sie nickte dankbar.

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Der ganz normale Wahnsinn…

Wer kennt das noch? Manche Tage sind einfach von vornherein verflucht. So auch bei meiner Protagonistin Cecilia, die bereits mit dem falschen Bein aufsteht. Doch das ist längst nicht alles, was das Schicksal für sie bereithält. Wenn ihr Lust auf eine romantische Aschenputteladaption mit einer alleinerziehenden Mutter in der Hauptrolle habt, dann seid ihr hier richtig. Aber lest selbst…

Mit nervtötend fröhlicher Melodie riss sie der unbarmherzige Wecker aus den Armen eines Märchenprinzen, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem jungen George Clooney hatte. Der prunkvolle, durch hunderte von Kerzen erleuchtete Ballsaal, in dem Cecilia Weiß eben noch dem Happy End entgegengetanzt hatte, war verschwunden. 

Stattdessen befand sie sich im Bett in ihrer aus allen Nähten platzenden Zweizimmerwohnung und neben ihr regte sich jemand. Die Augen halb geschlossen in der vagen Hoffnung, den Traum noch einmal wiederbeleben zu können, bemerkte sie die nackten Füße, die es sich auf ihrer Brust bequem gemacht hatten. Sie seufzte. Offenbar hatte Jakob heute Nacht mal wieder unbemerkt den Weg in ihr Bett gefunden. 

Versonnen betrachtete sie ihren friedlich träumenden Sohn. Seine blonden Locken fielen ihm schweißfeucht in die Stirn. Die Lippen hatte er leicht nach vorn geschoben, so als hätte er immer noch den Schnuller im Mund, den sie ihm vor zwei Jahren mühsam abgewöhnt hatte. Für einen Moment kuschelte sie sich an ihn. Mit gesenkten Lidern genoss sie seine Körperwärme und den ihm so eigenen Duft. Dann schlug Jakob die Augen auf. 

 »Aufstehen, Mama!« 

Müde sah sie ihn an. Wie machte er es bloß, dass er in einem Augenblick tief schlief und im nächsten bereits putzmunter war?

»Komm noch kurz kuscheln, mein Schatz!« Bittend streckte sie ihre Arme nach ihm aus. Doch er entwand sich ihr und zog stattdessen ihre Bettdecke weg. Sofort stellten sich die feinen Haare an ihrem Körper auf. Es war zwar erst Anfang Oktober, aber draußen schon klirrend kalt.

»Halt! Stopp! Das ist gemein!«, protestierte sie.

Jakob lachte nur und tanzte mit der Decke in der Hand um ihr Bett herum. 

»Na, warte!«

Sie sprang aus den Federn und schnappte sich ihren glücklich kreischenden Sohn, um ihn ordentlich durchzukitzeln. Dann verschwand sie in der Dusche. Als sie angezogen und mit einem um die nassen Haare gewickelten Handtuch in die Küche kam, hatte er bereits den schmalen Klapptisch mit ihren Müslischalen gedeckt. 

Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie sich besser beeilen sollten. Jakob hatte kaum den letzten Bissen in den Mund geschoben, als sie ihm die Schüssel wegschnappte und ihn zum Anziehen in sein Zimmer jagte. Sie selbst föhnte sich hastig die glatten haselnussbraunen Haare und band sie locker zusammen. 

Früher hatte sie mit ihren Rehaugen und der ebenmäßigen Haut als Schönheit gegolten. Heute wirkte sie zwar immer noch jünger als die fünfundzwanzig Jahre, die sie war, doch dunkle Schatten ließen ihre Augen hungrig aus dem schmalen Gesicht hervortreten. Manchmal dachte sie, dass sie wie eine Drogensüchtige aussah. 

Als sie kurze Zeit später in Jakobs Zimmer hinüberging, hatte er sich in den wilden Kampf zweier Playmobilritter vertieft. In solchen Augenblicken machte sie seine Verträumtheit wahnsinnig.

»Jakob, du hast ja noch deinen Schlafanzug an!« 

Wie immer ignorierte er sie geflissentlich, bis sie ungeduldig lauter wurde: »Jakob!«

»Moment!«, fauchte er zurück. »Ich bin beschäftigt.«

Sie versuchte, ruhig zu bleiben.

»Wir müssen jetzt wirklich dringend los. Sonst verpassen wir die U-Bahn.»«

»Warum?«, kam die ungläubige Frage. 

Da war schon wieder dieses »Warum?«, das sie regelmäßig auf die Palme brachte.

»Du weißt doch, dass ich auf keinen Fall zu spät kommen darf, sonst verliere ich meinen Job. Nun sei so gut und hilf mir!«

Sie hatte ein schlechtes Gewissen, als sie das sagte, denn jedes Mal, wenn sie ihm mit diesem Tonfall kam, schien er um zehn Jahre vernünftiger zu werden. 

»In Ordnung, Mama.«

Es machte sie traurig, dass sie ihm mit seinen erst fünf Jahren so viel abverlangen musste. Es war kein Zuckerschlecken, wenn man das Kind einer alleinerziehenden Kellnerin war. Sie nahm ihn fest in den Arm.

»Es tut mir leid, dass es momentan so schwierig ist. Bald wird es besser, ok?«

»Ok, Mama«, lächelte er und schaute sie mit einem vertrauensvollen Blick an, als gäbe es nichts, was er ihr nicht zutraute. Dabei war genau dies das Problem. Seit sie ihre Zukunft verloren hatte, traute sie sich selbst nichts mehr zu.

Siebzig Minuten später stand sie tatsächlich hinter der Theke des »Coffee Palace« und konnte es kaum fassen, dass sie es noch rechtzeitig geschafft hatte. Heute pünktlich zur Arbeit zu kommen, war ungefähr so wahrscheinlich gewesen wie eine Emmy-Nominierung für eine deutsche Serie und sie dankte innerlich noch einmal dem Fahrer des Tiefladers, der durch sein Wendemanöver auf offener Straße den Bus gezwungen hatte, auf Cecilia und Jakob zu warten. 

Tief durchatmend hob sie ihre Espressotasse an den Mund und genoss einen kurzen Moment der Ruhe, weil sich noch kein Kunde zu ihr verirrt hatte. Dann aber bog einer der neuen Hybridbusse um die Straßenecke und wie frisch geschlüpfte Spinnen aus ihrem Kokon ergoss sich eine nicht enden wollende Schar Pendler auf den Bürgersteig vor ihrer Eingangstür. 

Nur einen Augenblick später enterten sie das Café. Männer in Anzügen und Frauen in Stöckelschuhen warfen ihre Aktentasche förmlich voraus, um einen vorderen Platz in der Schlange zu ergattern. 

Im Akkord presste Cecilia den frisch gemahlenen Kaffee in den Hebel der Espressomaschine und eilte wie ein Derwisch hinter der Theke hin und her. Doch sie schaffte es nicht, die Ansammlung gestresster Großstädter wenigstens einmal so abzuarbeiten, dass nicht alle mit Leichenbittermiene herumstanden. 

»Geht es nicht ein bisschen schneller?«, fragte eine junge Mutter. Ihr Baby war derart wärmeisolierend in dem Designerkinderwagen verstaut, dass man außer einer sich wütend bewegenden Daunendecke nichts von ihm sah. Damit man seine Anwesenheit trotzdem bemerken konnte, schrie es wie am Spieß und die Augen der Mutter flackerten panisch zwischen der Kuchenauslage und dem Kind hin und her. 

Unglücklicherweise war sie erst die Vierte in der Schlange und niemand kam auf die Idee, sie vorzulassen. Cecilia, die es nie ausgehalten hatte, ihr eigenes Kind schreien zu lassen, starb tausend Tode und als das Baby einen besonders hohen Schrei ausstieß, verbrühte sie sich vor Schreck den rechten Zeigefinger am heißen Dampf des Milchaufschäumers. 

Zu allem Überfluss bestellte die rothaarige Frau mit der Hornbrille vor der jungen Mutter dann auch noch so viel, als plane sie, die Kaffeespezialitäten auf dem Gehweg vor dem Geschäft gewinnbringend weiterzuverkaufen. 

»Zwei mittlere Cappuccinos, einen kleinen Cappuccino mit Sojamilch, einen doppelten Espresso, einen großen Latte Macchiato, koffeinfrei und laktosefrei, und zwei Chai-Latte, mittelgroß. Zum Mitnehmen. Und zwei von den Sandwiches, eins mit Putenbrust und eins mit Camembert.« 

»Putenbrust haben wir heute leider nicht. Darf es vielleicht Kochschinken oder Salami sein?«, erkundigte sich Cecilia, während sie die Bestellung in die Kasse eingab. Der alarmierte Blick aus den kleinen Augen der Brillenträgerin ließen sie wie ein erschrecktes Kaninchen aussehen. 

»Aber Doktor Fahrholz isst wegen seines Cholesterinspiegels nur Putenfleisch!«

»Tja«, machte Cecilia aus Höflichkeit und zuckte bedauernd die Achseln. »Soll es etwas anderes sein?«

Die junge Frau, der man auch ein Post-it mit der Aufschrift »Praktikantin« auf die Stirn hätte kleben können, verfiel in eine Art Schockstarre und antwortete nicht. 

»Siebenunddreißig neunzig macht das dann«, sagte Cecilia schließlich, nachdem sie einen angemessenen Augenblick gewartet hatte, und machte sich hastig an die nächste Bestellung. Sie war heilfroh, als die Mutter endlich ihren Chai-Latte in die Getränkehalterung des Bugaboos stellte und hinausschob. Cecilia fragte sich, was wohl die Ursache für die graue Gesichtsfarbe und den schleppenden Gang der Frau sein mochte. Schlafmangel oder Beziehungsstress?

Ein lautes Platschen riss sie aus den Gedanken. 

»Können Sie nicht aufpassen! Sie haben meine Handtasche ruiniert!« 

Einem der Anzugträger war der Cappuccino heruntergefallen. Ein paar Spritzer schienen die Tasche einer blondierten Dame mittleren Alters erwischt zu haben. Der Rest war schwallartig auf dem Boden verteilt. 

Als Cecilia noch überlegte, ob sie zuerst die Bestellungen fertigmachen oder die Sauerei aufwischen sollte, hörte sie ihr Handy klingeln und ahnte mit sinkendem Herzen, dass das nur Jakobs Kita sein konnte. (…)

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