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Der Adventskalender

Am ersten Dezember um fünf Uhr nachmittags stand Charlie im Foyer und starrte auf die Fassade.

Sie hatte mit einem Brett gerechnet. Mit einer bemalten Spanplatte vielleicht, auf die jemand dreiundzwanzig Zahlen geklebt hatte, wie in der Grundschule. Stattdessen stand neben der Garderobe ein Stück Paris: der Eingang eines alten Mietshauses, drei Meter hoch und täuschend echt, mit abblätterndem Putz in der Farbe von Milchkaffee, einem schmiedeeisernen Vordach und einer schweren, grün gestrichenen Haustür. Daneben hing eines dieser blauen Emailleschilder, wie man sie in Paris an jeder Hauswand fand, mit einer weißen Eins darauf. Ganz oben, unter dem angedeuteten Dach, saß ein schiefes Mansardenfenster, hinter dessen Scheibe eine einzelne Kerze brannte.

Charlie musste nicht lange überlegen. Die Dachkammer. Vier Künstler ohne Geld für Brennholz und eine Nachbarin, deren Kerze ausgeht.

»Das ist die Bohème«, sagte sie, als Ruben mit einem Akkuschrauber in der Hand hinter der Fassade hervorkam. »Das ist die Mansarde aus dem ersten Akt.«

Er warf einen Blick nach oben, als sähe er das Fenster zum ersten Mal. »Paris hat viele Dachkammern.«

»Mit einer brennenden Kerze?«

»Irgendwo muss das Licht ja herkommen.« Er zuckte mit den Schultern. »Komm, wir gehen den Ablauf durch. Leo müsste gleich da sein.«

Leo kam pünktlich um Viertel nach fünf, in Strickjacke und mit Fliege, und ließ sich von Ruben die Kulisse zeigen, so aufmerksam, wie ein Tänzer seine Bühne begutachtet. Hinter der grünen Tür gab es ein kleines Podest, eine Lampe, einen Hocker und einen schmalen Ausgang nach hinten, zwischen Kulisse und Garderobenwand.

Charlie ging mit beiden den Ablauf durch, Punkt für Punkt, so wie sie ihn sich am Vorabend aufgeschrieben hatte. Um halb sechs öffnete der Förderverein den Glühweinstand. Um fünf vor sechs ging Leo hinter die Tür. Punkt sechs dimmte die Haustechnik das Licht im Foyer, und ein Scheinwerfer ging auf die Fassade. Dann kam ihre Ansage, und bei den Worten »Bitte begrüßen Sie mit mir« würde sie die Tür öffnen.

»Und wenn sie klemmt?«, fragte Leo.

»Sie klemmt nicht«, sagte Ruben und zog die Tür zweimal auf und zu, um es zu beweisen. Sie glitt lautlos.

Dann knackte sein Funkgerät. Auf der Bühne hakte irgendetwas beim Umbau für die Abendvorstellung. »Ich bin um sechs zurück«, sagte er, schon im Gehen. »Spätestens.«

Um zehn vor sechs drängten sich vor der Fassade gut sechzig Leute, die meisten mit dampfenden Bechern vom Glühweinstand des Fördervereins in der Hand. Eltern mit Kindern auf den Schultern, Rentnerpaare in Wintermänteln und eine Schulklasse, die Charlie im Verdacht hatte, eher wegen des Kinderpunschs gekommen zu sein. Sie umklammerte ihre Moderationskarte und versuchte, nicht daran zu denken, wie ihr bei ihrer ersten Ansage die Knie gezittert hatten.

Punkt sechs trat sie vor das Haus.

»Liebe Gäste, herzlich willkommen zum Adventskalender des Theaters Marienburg!« Ihre Stimme hallte über den Marmorboden, kräftiger, als sie erwartet hatte. »Hinter dem ersten Türchen wartet heute ein Mann, der dieses Haus besser kennt als jeder andere von uns. Bitte begrüßen Sie mit mir …«

Sie drehte sich um und zog an der Klinke der grünen Tür.

Nichts.

Sie zog noch einmal, fester. Das Türchen bewegte sich keinen Millimeter. Von drinnen hörte sie ein gedämpftes Klopfen und dann Leos brüchige Stimme: »Hallo? Ist das so gewollt?«

Ein Kichern lief durch die Reihen. Charlie spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen stieg. Sie sah sich nach Ruben um. Er war nirgends zu sehen. Natürlich nicht.

Sie beugte sich zum Türspalt. »Leo«, flüsterte sie, »gehen Sie hinten herum. Durch den Ausgang.«

»Kommt nicht in Frage«, kam es gedämpft zurück. »Ein Auftritt kommt durch die Tür, Frau Sanders. Nicht durch den Dienstboteneingang.«

Charlie richtete sich auf. Sechzig Gesichter sahen sie erwartungsvoll an, und hinter ihr wartete ein achtzigjähriger Tänzer, der dreißig Jahre lang nie anders als durch die richtige Tür aufgetreten war und offenbar nicht vorhatte, heute damit anzufangen.

»Wie Sie merken«, sagte sie und hörte sich selbst erstaunlich ruhig sprechen, »nimmt unser Ausstattungsleiter den Gedanken einer Überraschung sehr ernst.«

Gelächter. Hinter ihr klopfte es wieder.

»Und während wir unseren Gast befreien, verrate ich Ihnen, wer da drin sitzt.« Sie atmete durch und dachte an Amira, die ihr in den letzten Wochen in der Kantine mehr Geschichten über dieses Haus erzählt hatte, als in jede Chronik passten. »Wenn Sie heute in unsere Notenbibliothek im Keller gehen, finden Sie dort einen freundlichen älteren Herrn in Strickjacke. Was die wenigsten wissen: Dieser Herr war dreißig Jahre lang der erste Tänzer dieses Hauses. Er hat in dieser Zeit, so erzählt man sich, ungefähr viertausend Mal eine Primaballerina über seinen Kopf gestemmt. Und genau einmal ist ihm eine dabei aus den Händen gerutscht, mitten in Schwanensee, direkt in die Arme des Dirigenten.«

Das Publikum lachte lauter. Ein kleiner Junge in der ersten Reihe wollte wissen, ob der Dirigent sie dann geheiratet habe.

»Nein«, sagte Charlie. »Aber er hat danach nie wieder ohne Helm dirigiert.«

Ob die Geschichte mit der Ballerina stimmte, wusste sie nicht. Amira hatte sie erzählt, und bei Amira wusste man das nie so genau. Der Helm war ihre eigene Zutat. Doch die Leute hingen an ihren Lippen, und Charlie merkte zu ihrer eigenen Verblüffung, dass ihre Hände nicht zitterten. Dass sie hier stand, vor sechzig Fremden, ohne einen Blick auf ihre Karte, und dass es ihr Spaß machte.

Sie war bei der dritten Anekdote angekommen, der mit dem Souffleur und der Katze, als sich hinter ihr die Menge teilte. Ruben, in Arbeitshose und mit einem Brecheisen in der Hand, als käme er gerade von einem Einbruch. Er nickte ihr knapp zu, setzte das Eisen am Rahmen an, stemmte die Schulter gegen die Fassade und gab ihr einen einzigen kurzen Ruck. Mit einem Knall sprang das Türchen auf.

Leo kletterte heraus, die Strickjacke ordentlich zugeknöpft, eine Fliege um den Hals. Er blinzelte ins Licht, verbeugte sich und sagte: »Ich hatte schon begonnen, mich da drin häuslich einzurichten.«

»Kleine Korrektur«, sagte er, an Charlie gewandt, und das Foyer wurde still. »Durch die Tür hört man alles. Es war nicht Schwanensee, sondern der Nussknacker. Und sie ist nicht beim Dirigenten gelandet, sondern beim Paukisten.« Er machte eine kleine Pause. »Der hat danach tatsächlich nie wieder ohne Helm gespielt.«

Das Publikum brüllte vor Lachen. Charlie wurde rot, aber Leo zwinkerte ihr zu, und sie begriff, dass er ihr gerade ein Geschenk gemacht hatte.

Ruben stellte ihm einen Stuhl vor das Türchen, und Leo setzte sich und erzählte. Vom Nussknacker, den er fast vierhundert Mal getanzt hatte, immer als Prinz. Von Clara, die in der Weihnachtsnacht ins Wohnzimmer schleicht, von der Uhr, die Mitternacht schlägt, vom Weihnachtsbaum, der wächst und wächst, bis er an die Decke reicht. Er erzählte es so, wie man es Kindern erzählt, und nach zwei Minuten saßen die Kinder in der ersten Reihe auf dem Marmorboden und rührten sich nicht. Nach fünf Minuten auch die Erwachsenen nicht mehr.

Zum Schluss stand er auf, hob die Arme, stellte sich auf die Fußballen und drehte sich, langsam, aber mit einer Präzision, die ihm keiner mehr zugetraut hätte, einmal um sich selbst. Ein paar Takte aus einer Erinnerung, die nur er hören konnte. Als er die Arme sinken ließ, jubelte das Foyer, als hätte er gerade den ganzen Nussknacker getanzt.

Eine Stunde später waren die Zuschauer gegangen, der Förderverein zählte die Kasse, und Charlie saß auf der breiten Marmortreppe, die vom Foyer zum ersten Rang hinaufführte. Ihre Füße taten weh. Ruben kam die Stufen herunter, zwei Becher in der Hand, und reichte ihr einen davon, ohne zu fragen. Der letzte Glühwein aus dem Topf, lauwarm und viel zu süß. Er setzte sich zwei Stufen unter sie.

»Du hast das klemmen lassen«, sagte sie. »Um mich zu testen.«

»Würde ich nie tun.« Er grinste in seinen Becher.

»Du hast das klemmen lassen.«

»Die Luftfeuchtigkeit im Foyer ist eine Katastrophe. Das Holz arbeitet.« Er nahm einen Schluck. »Das mit dem Helm hast du dir ausgedacht, oder?«

»Komplett. Und Leo hat einfach mitgespielt.«

Er lachte, ein kurzes, überraschtes Lachen, und sah sie zum ersten Mal an diesem Abend direkt an. »Nicht schlecht, Frau Dramaturgin.«

Sie tranken schweigend aus. Es überraschte sie, wie wenig sie das Schweigen störte.

Am nächsten Abend saß er nach dem Türchen wieder auf der Treppe, zwei Becher in der Hand, als hätten sie es so verabredet. Sie hatten es nicht verabredet. Hinter Türchen zwei hatte Jonathan Weihnachtslieder gesungen, mit so viel Schmelz in der Stimme, dass selbst die Rentnerinnen in der letzten Reihe seufzten. Er hatte Charlie zugezwinkert, »bis Samstag« gemurmelt und war verschwunden, bevor der Applaus verklungen war.

Am Mittwoch hing eine blaue Drei neben der grünen Tür, und dahinter stand der Weihnachtsmann.

Genauer gesagt: Günther Zemeck, Chorvorstand und, wie Charlie inzwischen wusste, ein Mann, der zu jedem Thema eine Meinung hatte. Er hatte sich freiwillig gemeldet. Er hatte auf einem echten Rauschebart bestanden und auf einem Gedicht, das er selbst vortragen wollte. Was er nicht erwähnt hatte: dass der Chor an diesem Abend in der Garderobe einen Geburtstag feierte, und zwar mit dem Glühwein, der eigentlich für das Foyer gedacht gewesen war.

Charlie merkte es, als sie das Türchen öffnete und ihr eine Wolke aus Nelken, Zimt und Alkohol entgegenschlug. Zemeck trat heraus, breitete die Arme aus, setzte zu einem dröhnenden »Ho, ho, ho!« an – und kippte, sehr langsam und sehr majestätisch, nach vorn.

Ruben fing ihn auf. Charlie hatte ihn nicht einmal kommen sehen. Eben noch hatte er an der Seite der Fassade gelehnt, jetzt hielt er einen ausgewachsenen Weihnachtsmann in den Armen, stellte ihn behutsam wieder auf die Füße und zupfte ihm den Bart zurecht, als gehöre das zur Inszenierung.

Er fängt offenbar öfter Leute auf, dachte Charlie und erinnerte sich an die dunkle Seitenbühne, an den festen Griff um ihren Arm. Sie schob den Gedanken beiseite.

Zemeck schwankte und hielt ein zerknittertes Blatt in die Luft. »Von drauß‘ …«, begann er, »von drauß‘ vom … vom …« Er starrte auf das Papier, als hätte jemand heimlich die Buchstaben vertauscht.

Charlie nahm es ihm sanft aus der Hand. »Der Weihnachtsmann ist heute ein bisschen heiser«, sagte sie ins Publikum. »Er hat mich gebeten, ihm zu helfen. Aber ihr müsst ganz laut mitmachen, versprochen?«

Ein Chor aus Kinderstimmen versprach es.

»Von drauß‘ vom Walde komm ich her«, las sie mit der tiefsten Stimme, die sie zustande brachte, »ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!«

Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Ruben einen leeren Jutesack aus der Requisitenkiste neben der Fassade zog, ihn sich über die Schulter warf und sich mit finsterem Gesicht neben den Weihnachtsmann stellte. Ein schweigender Knecht Ruprecht in Arbeitshose. Jedes Mal, wenn von der Rute die Rede war, hob er drohend den Sack, und die Kinder kreischten vor Vergnügen. Als Charlie fragte, ob hier denn gute oder böse Kinder säßen, brüllte das ganze Foyer »Gute!«, und Zemeck, der sich an Rubens Schulter festhielt, wischte sich gerührt eine Träne aus dem Bart.

Später auf der Treppe reichte Ruben ihr den Becher. Sie sah ihn an, er sah sie an, und dann prusteten beide gleichzeitig los. Charlie lachte so sehr, dass sie sich am Glühwein verschluckte und husten musste. Er nahm ihr wortlos den Becher ab, bevor sie ihn auf ihre Bluse kippte.

»Der hat bestimmt hundert Kilo gewogen«, keuchte sie, als sie wieder Luft bekam. »Und du hast nicht mal gewackelt.«

»Hundertzehn. Mit Bart.«

Sie lachte wieder, bis ihr die Tränen kamen. Irgendwann fiel ihr auf, dass sie so nicht mehr gelacht hatte, seit sie nach Marienburg gekommen war. Vielleicht schon sehr viel länger nicht.

Am Freitag sollte hinter Türchen fünf eine Gruppe aus dem Kinderchor singen. Zwölf Kinder in roten Schals, die seit einer halben Stunde durch die Garderobe tobten und so viele Lebkuchen gegessen hatten, dass Charlie das Schlimmste befürchtete. Die Chorleiterin zählte sie zum dritten Mal durch, verteilte Notenblätter und schob die Kinder durch die Hintertür in den engen Raum hinter der Fassade.

Elf Kinder.

Das zwölfte saß auf der untersten Stufe der Garderobentreppe, die Knie unter dem Kinn, und weinte. Ein kleines Mädchen, sechs vielleicht, höchstens sieben, mit zwei dünnen blonden Zöpfen und einem roten Schal, der ihr bis zu den Knöcheln hing.

»Ich will nicht«, schluchzte sie, als Charlie sich vor sie hockte. »Da sind so viele Leute.«

Charlie sah sich nach der Chorleiterin um, doch die war bereits hinter der Fassade verschwunden, und von drinnen hörte man elf Kinder gleichzeitig reden. Noch vier Minuten. »Weißt du was, das ist gar nicht schlimm«, versuchte sie es. »Die Leute sind alle ganz nett. Und du stehst doch mit den anderen zusammen.«

Das Mädchen weinte lauter. Charlie hatte keine Ahnung, was man mit Kindern machte, die weinten. In ihrer Familie hatte man Tränen einfach übersehen, bis sie von selbst aufhörten.

Dann war Ruben da. Er sagte nichts zu Charlie. Er kniete sich einfach auf die Stufe, sodass sein Gesicht auf einer Höhe mit dem des Mädchens war.

»Wie heißt du?«

»Emmi«, schniefte sie.

»Emmi, ich habe ein Problem. Und ich glaube, du bist die Einzige, die mir helfen kann.« Er senkte die Stimme, als verrate er ein Geheimnis. »Das Türchen da vorn klemmt manchmal. Neulich saß ein Mann ewig darin fest, und der ist fast achtzig.«

Emmi hörte auf zu schluchzen und sah ihn misstrauisch an.

»Ich brauche jemanden, der die Klinke festhält und das Türchen aufmacht, genau dann, wenn die Frau da« – er deutete auf Charlie – »bis drei gezählt hat. Nicht vorher und nicht nachher. Das ist der wichtigste Job von allen. Wenn das schiefgeht, singt heute keiner.« Er machte eine Pause. »Meinst du, du schaffst das?«

Emmi wischte sich mit dem Schal über die Nase und überlegte lange. Dann nickte sie.

»Gut.« Ruben stand auf und streckte ihr die Hand hin. »Dann komm. Ich zeige dir, wo die Klinke ist.«

Charlie sah den beiden nach, wie sie hinter der Fassade verschwanden, der große Mann in der staubigen Arbeitshose und das kleine Mädchen mit dem viel zu langen Schal, und vergaß für einen Moment, dass sie in drei Minuten vor sechzig Leuten stehen sollte.

Als sie bis drei zählte, flog Türchen fünf so energisch auf, dass es gegen den Rahmen schlug. Hinter der Klinke stand Emmi, das Kinn erhoben, die Wangen noch fleckig vom Weinen, und blickte stolz ins Publikum, als hätte sie das ganze Haus allein gebaut. Bei Leise rieselt der Schnee sang sie noch nicht mit. Bei Kling, Glöckchen bewegte sie die Lippen. Aber beim dritten Lied sang sie lauter als alle anderen.

Charlie hörte kaum hin. Sie sah Ruben an, der an der Seite der Fassade lehnte, die Arme verschränkt, und Emmi nicht aus den Augen ließ. So hatte sie ihn noch nie gesehen.

»Woher kannst du das?«, fragte sie später auf der Treppe. »Das mit Emmi.«

Er drehte den Becher in den Händen. »Übung.«

»Übung? Hast du Kinder?«

»Nein.« Er sah an ihr vorbei auf die Fassade. »Sag mal, hast du für Türchen neun schon jemanden? Ich dachte an das Blechbläserquartett. Die könnten vom Balkon spielen.«

Als er aufstand, um die Becher zurückzubringen, rutschte ihm etwas aus der Jackentasche und fiel auf die Stufe neben ihr. Ein kleines, abgegriffenes Skizzenbuch, das beim Aufprall aufklappte. Für eine Sekunde sah Charlie eine Bleistiftzeichnung: eine Frau mit wilden Locken, die ihr in alle Richtungen vom Kopf abstanden, das Kinn erhoben, als wolle sie jemandem gleich gründlich die Meinung sagen.

Dann hatte Ruben das Buch schon aufgehoben und zugeklappt. »Arbeitsskizzen«, sagte er knapp und steckte es weg. »Gute Nacht, Charlie.«

Es war fast elf, als sie in ihrem Büro das Licht ausknipsen wollte. Auf dem Schreibtisch lag der Kalender, in den sie die Termine für die Türchen eingetragen hatte, mit Rotstift, sauber und ordentlich, wie sie alles machte. Sie nahm den Stift und strich den fünften Dezember durch.

Noch achtzehn Türchen.

Sie hatte erwartet, dass sich die Zahl anfühlen würde wie eine Strafe, die bald abgesessen war. Stattdessen kam sie ihr zum ersten Mal zu klein vor.

Dies ist mein Beitrag zum diesjährigen Autorenadventskalender, an dem ich nun schon seit Jahren gern teilnehme und ein Ausschnitt auf meinem Opernroman „Puccini zum Frühstück“.

Mehr über meine aktuellen Bücher findet ihr hier.