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Leseprobe "Puccini zum Frühstück"! Ab 26.02.

Aktualisiert: 18. Feb 2019

Endlich ist es soweit. Mein neuer Liebesroman steht kurz vor der Veröffentlichung! Für alle, die schon einmal reinlesen möchten, habe ich hier eine Leseprobe. Viel Spaß!


Kapitel 1

Für manche Menschen mochte der 15. Oktober 2017 ein ganz gewöhnlicher Tag sein. Für Charlotte Benedicte Katharina Sanders, die von allen Charlie genannt wurde, war es der Beginn einer neuen Ära. Heute würde sie ihren ersten richtigen Job antreten. Als Dramaturgieassistentin am Marienburger Theater und das lag satte 126 Kilometer Luftlinie von Hamburg entfernt.

Sie spürte, wie ein zaghaftes Gefühl von Freiheit in ihr aufkeimte, und genoss das aufgeregte Flattern in ihrem Bauch, das diesen Neubeginn begleitete. Hätte sie geahnt, dass sie am heutigen Tag der Liebe begegnen würde, wäre aus dem Flattern eine ausgewachsene Panik geworden.

Denn sie hatte ein wohlgehütetes Geheimnis: Noch nie im Leben hatte sie sich verliebt. Nicht einmal ein kleines bisschen.

So aber radelte sie mit einem glücklichen Grinsen auf den Lippen durch das norddeutsche Schmuddelwetter. Auch die Tatsache, dass das Regenwasser ihre sorgfältig geglätteten roten Haare wieder in eine widerspenstige Lockenmähne verwandeln würde, konnte ihrer guten Laune nichts anhaben.

»Dramaturgieassistentin? Ist das dein Ernst?«, hatte ihre Mutter entgeistert gefragt, als sie ihrer Familie von ihrem ersten Jobangebot erzählt hatte.

»Assistentin, das ist doch bloß euphemistisch für Sekretärin«, spottete ihr Bruder.

»Sie wird schon merken, dass das nichts für sie ist«, meinte ihr Vater achselzuckend, bevor er sich wieder den Aktienkursen auf seinem Smartphone gewidmet hatte.

Charlie hatte eine wütende Entgegnung hinuntergeschluckt und sich stattdessen in scheinbarer Seelenruhe dem Heilbutt zugewandt, den Elli, ihre halbfranzösische Haushälterin und Köchin, mit der üblichen Raffinesse zubereitet hatte.

Nein, sie hatte nicht vor, sich von ihrer Familie von dem Einzigen abbringen zu lassen, was sie je gewollt hatte. Für ihren Vater Pieter zählte nur die Frage, wie man aus dem millionenschweren Familienunternehmen ein milliardenschweres machen konnte. Ihre Mutter Irina interessierte sich im Wesentlichen für die Erhaltung ihrer eigenen Jugend und Schönheit und ihr größtes Glück war es, wenn sie jemand aus ihrer Zeit als russisches Starmodell wiedererkannte.

Charlies Bruder Henrik eiferte in allem seinem Vater nach, bis in das Detail, dass er stets irgendwelche Laufstegschönheiten datete. Er würde selbstverständlich der Nachfolger ihres Vaters werden und die Kaufmannsdynastie in die nächste Generation führen. Gern hätten alle gesehen, wenn Charlie sich auch für die Belange des Konzerns interessieren würde.

Aber sie schlug völlig aus der Art. Sie interessierte sich weder für die Finanzwelt, noch war sie bereit, wie ihre Mutter den größten Teil des Tages ihrer eigenen Schönheit zu widmen und sich einen reichen Ehemann zu suchen. Schließlich lebte sie nicht mehr im Mittelalter.

Ein lautes Hupen riss sie aus ihren Gedanken, gefolgt von quietschenden Reifen und einem saftigen Fluchen. Instinktiv bremste Charlie, rutschte auf der regennassen Fahrbahn allerdings weg und segelte in hohem Bogen auf die Erde. Mitten in eine tiefe Pfütze. Benommen spürte sie das eiskalte Wasser, in dem sie lag, und einen heftigen Schmerz an ihrer rechten Hüfte.

»Verdammt!«

Ein Motorradfahrer in schwarzer Lederkluft tauchte plötzlich in ihrem Blickfeld auf. Durch das aufgeklappte Visier konnte sie ein Paar hellgraue Augen unter dunklen Stirnfransen erkennen, die sie kritisch musterten.

»Alles in Ordnung mit dir?« Er hob ihr Fahrrad hoch und reichte ihr eine behandschuhte Hand. »Kannst du aufstehen?«

Sie ignorierte die ausgestreckte Hand, erhob sich vorsichtig und unterdrückte ein Stöhnen. Glücklicherweise konnte sie das linke Bein belasten. Sie hatte sich nur eine ziemliche Prellung geholt und war zu allem Überfluss nass wie ein begossener Pudel.

»Na, vielen Dank!«, sagte sie sarkastisch zu ihrem Unfallgegner und betrachtete das Desaster an ihrer Kleidung.

Seit Tagen hatte sie sich überlegt, was sie an ihrem ersten Arbeitstag tragen sollte und jetzt das! Hektisch, aber erfolglos wischte sie über die schwarze Hose, welche eindeutig Schmutzflecken zierten, und ärgerte sich, dass sie zu faul gewesen war, ihre Regenkluft überzuziehen.

»Konntest du nicht besser aufpassen?«

Er hob abwehrend die Hände und betrachtete amüsiert ihre Bemühungen. Dann hielt er ihr eine Packung Taschentücher hin, die er aus seiner Jacke gekramt hatte.

»Nicht ich bin hier einfach so auf die Kreuzung gerauscht, sondern du!«

»Hier ist ein Radweg!«, empörte sie sich und nahm die Taschentücher kommentarlos entgegen. »Und du warst sicherlich zu schnell unterwegs!«

Er schnaubte und wandte sich achselzuckend ab.

»Wenn du meinst. Einen schönen Tag noch.«

Gleichgültig setzte er sich wieder auf sein Motorrad und brauste weiter, während Charlie ihm aufgebracht nachblickte. Zu allem Überfluss bog er nach wenigen Metern in Richtung Theaterparkplatz ab. Verdammt, war das jetzt auch noch die erste Begegnung mit einem neuen Kollegen gewesen?

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